Page 60 - Entlebucher Brattig 2023
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                   gelesen werden. Dazu ist die Datenanalyse sehr kompli-
                   ziert. Ein zu kostspieliges Unterfangen! Viele solcher
                   Messungen wurden zudem bereits in anderen Regionen
                   gemacht. Wir können aus bestehenden Resultaten also
                   die ungefähre Bandbreite an Torf-Abbauraten ableiten
                   und für unsere Fragestellung verwenden. Das Resultat
                   übrigens ist verblüffend: Pro Jahr gehen wegen Draina-
                   gen etwa 250 bis 700 Tonnen Torf verloren!

                   Monitoring: Datensammeln über lange Zeiträume


                   Die zweite wissenschaftliche Achse ist das sogenannte
                   Monitoring. Dabei werden laufend Daten über die Ent-
                   wicklung des Entlebuchs gesammelt. Die Wissenschaft-
                   lichkeit zeigt sich hier darin, dass die Daten aus Quellen
                   stammen, welche diese pflegen und nach festgelegten
                   Protokollen aufnehmen. Die Daten werden seitens
                   Biosphärenmanagement zusammengetragen, um die
                   Zielsetzungen der Biosphäre systematisch zu überprüfen,
                   sowie um Veränderungen in Wirtschaft, Umwelt und
                   Gesellschaft zu verfolgen. Ein Beispiel dafür ist die Ent-
                   wicklung der Feldhasen, die jährlich von den Jagd revie ren                                [Bild: Romano Cuonz]
                   gezählt werden (siehe nebenstehende Grafik). Die Daten
                   zeigen eine klare Abnahme der Hasenpopulation seit der
                   Gründung der Biosphäre. Die Hasen leiden unter den         800
                   immer früheren und den immer häufigeren Wiesen-            700
                   schnitten sowie an der Ausräumung der Landschaften.        600
                   Es gibt für sie immer weniger Rückzugsgebiete – ein        500
                   Trend, der in der ganzen Schweiz abläuft und in anderen   Anzahl Feldhasen  400
                   Regionen schon detailliert untersucht wurde.               300
                                                                              200
                   Dank der Erkenntnisse aus dem Monitoring können            100
                   unerwünschte Veränderungen, wie zum Beispiel bei               0
                   den Feldhasen, identifiziert und Massnahmen dagegen           2000                   2005                 2010                 2015                 2020
                   ergriffen werden. So unterstützt die Biosphäre zum Bei-  Entwicklung des Feldhasen-
                   spiel die kommunalen Vernetzungsprojekte mit Beratung   bestandes im Entlebuch.
                   und mit konkreten Förderangeboten für Kleinstrukturen.   [Quelle: Lawa, Luzern]
                   Nicht immer kann die Biosphäre aber Entwicklungen
                   stoppen oder umkehren, man denke an den Struktur-
                   wandel in der Landwirtschaft, welcher vor allem durch
                   nationale Politiken und Marktprozesse gesteuert wird
                   und über die so geförderten Bewirtschaftungsweisen    Forschung und Monitoring – was bringts?
                   auch auf die Feldhasen wirkt.                         Forschung und Monitoring befriedigen offensichtlich die
                                                                         Neugierde von vielen Leuten, aber was bringt das der
                                                                         Region? Ein Grundprinzip der Biosphären-Forschung ist
                                                                         es, dass nicht nur «gwundrige» Leute auf ihre Rechnung
                                                                         kommen, sondern dass mittels Wissenstransfer relevante
                                                                         Forschungsergebnisse bei den jeweiligen Zielpublika
                                                                         ankommen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Ausstel-
                                                                         lung «We love Äntlibuech», bei der das von der Uni Bern
                                                                         beforschte Thema «nachhaltige Lebensqualität» der
                                                                         breiten Bevölkerung näher gebracht wurde. Wissens-
                                                                         transfer läuft aber auch über Berichte im Entlebucher
                                                                         Anzeiger, in wissenschaftlichen Journalen oder an lokalen
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