Page 55 - Entlebucher Brattig 2023
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Produkten zuständig. Bis ein solches verkauft werden
kann, braucht es sowohl für die Firma als auch für die
einzelnen Mitarbeitenden «einen langen Schnauf», wie
Imhof sagt. «Wir rechnen nicht mit Monaten, bei uns ist
alles in Jahren.» Langweilig werde es deshalb bei der
Arbeit aber überhaupt nicht: «Wenn etwas nicht richtig
funktioniert, geht es oftmals um kleine Dinge wie einen
fehlenden Dichtungsring.» So banal die Lösung klingt,
so spannend tönt aus seinem Mund der Weg, bis diese
gefunden ist. Die Frage, ob er grundsätzlich «gwundrig»
sei, bejaht Cornel Imhof sofort: «Ich muss immer alles
verstehen und kann nicht nur konsumieren.»
Birgit Schäfer
«Bastlerin und Fleischfachfrau»
Den gleichen Ansatz verfolgt auch Carla Zihlmann. Sie
hat 2008 ihr Biotechnologie-Studium mit einer Arbeit
über Meniskus-Implantate abgeschlossen. Um eine
Ahnung von den notwendigen Eigenschaften eines
Gewebes zu bekommen, ist die Schüpfheimerin auch
schon mal am frühen Morgen mit einer Ladung Köpfe
frisch geschlachteter Schweine aus der Metzgerei
spaziert. Diese hat sie dann im Labor untersucht und
getestet. Ein anderes Mal hantiert sie mit Kinderknete
Cornel Imhof herum, um mögliche Formen zu simulieren. So gesehen
bezeichnet Carla Zihlmann ihre Arbeit in der Forschung
und Entwicklung als «etwas zwischen Bastlerin und
«Mich interessiert alles Neue» Fleischfachfrau».
Auch die in Schüpfheim wohnhafte Birgit Schäfer gibt
an, sie sei von Natur aus neugierig: «Mich interessiert
alles Neue», sagt sie. Als Medizinerin gilt ihr «Gwunder»
hauptsächlich dem «Wunderwerk Mensch» und insbe-
sondere seinen Knochen – dem einzigen Gewebe, das
ohne Narben verheilen kann, wie ich von ihr erfahre. Als
besonderen Erfolg bezeichnet Birgit Schäfer ein neues
Produkt, mit dem die hervorragenden Heilungseigen-
schaften von Mundschleimhaut auf die menschliche
Haut übertragen werden können. Die Resultate seien
«einfach irre», erzählt sie begeistert. Um zu erfahren,
in welche Richtung geforscht werden soll, tauscht sie
sich weltweit direkt mit jenen Personen aus, die mit den
Patienten arbeiten, beispielsweise Chirurgen, die ein
Produkt zur Unterstützung des Heilungsprozesses defek- [Bilder: René Egli]
ter Knochenbestandteile benötigen. Dabei stellen sich Carla Zihlmann
vielfältige Fragen: Welches Material wird benötigt? Muss
das Produkt injizierbar sein? Einnähbar? Mittels Arthro-
skopie einsetzbar? Die interdisziplinäre Zusammenarbeit
mit Chemikerinnen, Biologen, Medizinern, Ingenieuren
und anderen ermöglicht, dass möglichst vielfältige Per-
spektiven in den Entwicklungsprozess einfliessen.

