Page 59 - Entlebucher Brattig 2023
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Gwundrig sein als Beruf
Forschen in der und über die UNESCO Biosphäre Entlebuch
Florian Knaus
Die wichtigste Voraussetzung für ein Leben als Forsche- Was ist Wissenschaft überhaupt?
rin, als Forscher ist die Neugierde. Von Berufs wegen
muss der Forscher «gwundrig» sein, Neues erkunden Wissenschaft in der Biosphäre hat zwei Hauptachsen:
und Zusammenhänge verstehen wollen. Aber die For- Einerseits sollen mittels Forschung spezifische Sachver-
schung, gerade diejenige in der Biosphäre, lebt nicht halte untersucht werden, andererseits sollen mittels
nur von Forschern – meistens sind weitere Personen, Monitoring Daten dazu gesammelt werden, wie sich die
Akteure oder Institutionen mit beteiligt. Allesamt sind Region langfristig entwickelt. Das Erstere, das Klären
sie «gwundrig», wollen sich neues Wissen aneignen spezifischer Sachverhalte, geht auf die tägliche Arbeit
oder Lösungen für Probleme finden. Die Biosphäre mit des Biosphärenmangements, des Gemeindeverbandes,
ihrem Forschungsauftrag bietet allen Interessierten die der Foren und weiterer Akteure aus der Region zurück.
Möglichkeit, ihren «Gwunder» wissenschaftlich zu stillen Während ihrer Arbeit entstehen Fragestellungen, welche
und das Entlebuch zu einer lernenden Region zu machen, beantwortet werden sollen – und zwar wissenschaftlich.
wie es in den Zielen der Biosphäre steht. Doch wie läuft Das heisst, dass Fragen nicht einfach nach Gutdünken
das ab, was wird überhaupt beforscht und was kommt und mit beliebigen Informationen beantwortet werden
dabei heraus? sollen, sondern dass die Vorgehensweisen einem hohen
Qualitätsanspruch genügen. Informationen sollen bezo-
gen auf die Fragestellung kohärent, systematisch und
standardisiert gesammelt werden. Dies ist mit zwei unter-
schiedlichen Ansätzen möglich: Beim ersten Ansatz wer-
den zur Beantwortung der Fragen selber Daten erhoben.
Wenn die Biosphäre also zum Beispiel wissen will, wie
viel Torf im Entlebuch noch in den Mooren vorhanden
ist, misst der Forschende in einer klar definierten Stich-
probe die Torfmächtigkeit in einigen Mooren (Abbildung
links) und rechnet dann mithilfe seiner Daten das Torf-
volumen für alle Moore des Entlebuchs aus. Es sind übri-
gens zirka 3 Millionen Kubikmeter oder 300 000 Tonnen.
Als Gegensatz dazu wird beim zweiten Ansatz eine For-
schungsfrage aus bestehendem Wissen beantwortet.
Das Wissen, das dabei angezapft wird, ist in wissen-
schaftlichen Magazinen publiziert und somit bereits
durch eine Qualitätsprüfung gegangen. Es erfüllt also
die Anforderungen an Wissenschaftlichkeit. Im Torf-
beispiel wollten wir wissen, wie viel Torf aufgrund von
bestehenden Drainagen jährlich etwa abgebaut wird
und wie viel CO deswegen im Entlebuch in die Luft
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Mike Dettwiler, Student der ETH geht. Beides könnte zwar gemessen werden, es müssten
Zürich, beim Messen der Torfmäch- aber über mehrere Jahre teure Messgeräte in den Entle-
tigkeit in einem Entlebucher Moor.
[Bild: Mike Dettwiler] bucher Mooren platziert und regelmässig vor Ort aus-

