Page 140 - Entlebucher Brattig 2023
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Interessierte Gäste
Besonders viel Interesse zeigen jeweils diejenigen
Gäste, welche sich für die Moorführungen anmelden.
Diese Leute kommen, weil sie etwas wissen möchten
und stellen eine Menge Fragen. Erzähle er beispiels-
weise beim Bauernhofnachmittag für die Reka-Ferien-
gäste von den Original Braunviehkühen, die er mit
Angus einkreuzt, um von der guten Fleischqualität des
Angus und dem ruhigeren und touristenfreundlicheren
Gemüt des Original Braunviehs zu profitieren, wecke er
auch den Gwunder bei den Eltern, die vor allem wegen
ihrer Kinder den Birkenhof besuchen. Christian Schnider
ist es wichtig, dass seine Gäste die Zusammenhänge
verstehen und vernetzt denken. Als Landwirt ist er stets
mit dem Zielkonflikt zwischen Produktion und Natur-
schutz konfrontiert. Der Landwirt entscheidet nicht alleine,
was und wie er auf seinem Betrieb produziert, Preise
von Nahrungsmitteln und deren Konsum stehen in direk-
tem Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Pro-
duktion. Der Unterhalt von Biodiversitätsförderflächen
fordert ebenfalls eine Menge Arbeit und wird durch Direkt-
zahlungen entschädigt. Diese wiederum subventionieren
die Produktion, die sich aufgrund der tiefen Nahrungs-
mittelpreise von alleine nicht rentieren würde. Familie Schnider: Petra und Christian
Die Herausforderungen, die der Tourismus und der Schnider mit ihren Kindern Alina,
Gwunder der Leute mit sich bringen, sind vielschichtig. Peter, Roman, Jonas, Andrin, David
und Simon. [Bilder: zVg]
Es brauche zum Beispiel sehr viel Anstrengung, um
den Betrieb stets kundenfreundlich und herausgeputzt
zu halten. Gerade in Bezug auf Kinder ist auch die Sicher- stark durch die Strukturen ihres Betriebes gebunden
heit ein grosses Thema. Die Kinder sind gwundrig, die sind oder zum Beispiel Schafe halten möchten.
Eltern möchten ihnen bleibende Ferienerlebnisse ermög- Fragen zum Wolf und Schutzhunden treffen auch beim
lichen und die Tiere auf dem Hof sind eben Tiere. Maschi- Tourismusbüro häufig ein. Schafherden können ohne
nen, Geräte und Gebäude bergen ebenfalls Gefahren. Schutz nicht gealpt werden. Zäune sind schwierig, denn
Manchmal sei es auch nicht einfach, die Grenzen zwi- sie stellen eine grosse Gefahr für das Wild dar, und
schen Betrieb und Privatem klar zu kommunizieren, Schutzhunde wiederum können eine Gefahr für Men-
aber in der Regel klappe es gut. Teilweise könne dieser schen sein. Es gibt Landwirte, die deshalb kaum Entwick-
Problematik mit einfachen baulichen Massnahmen abge- lungsmöglichkeiten haben und ihren Betrieb komplett
holfen werden. umstellen müssen. Trotzdem unterstreicht Christian
Schnider immer wieder, dass Sörenberg vom Tourismus
Landwirte müssen sich an Tourismus anpassen lebe. Im Austausch mit den Feriengästen entstünden
interessante Gespräche. «Ich habe als Landwirt die
Auf der Weide kreuzen sich Wanderwege und Biketrails Chance, der Bevölkerung einen Einblick in die landwirt-
mit Viehzäunen. Touristen sollten, wenn immer möglich, schaftliche Realität zu geben, in die bereichernde Arbeit
nicht mit Kuhherden in Kontakt kommen, die Tiere aber in der Natur und rund um die Tiere und gleichzeitig die
gleichzeitig Zugang zu Wasser und Schatten haben. Auf vielen, damit verbundenen Herausforderungen», erklärt
Karten eingezeichnete Routen dürfen nicht unterbrochen Schnider. Wichtig sei auch, dass man Menschen nicht
werden und Biker wünschen Weidedurchgänge, die ohne für Fehler verurteilt, bei denen man sich selbst auch
abzusteigen passiert werden können. Christian Schnider ertappt. Es sei ihm wichtig, immer auch andere Perspek-
ist selbst Wanderer und Biker, er kann die Ansprüche tiven zu sehen.
der Touristen gut nachvollziehen: «Die Landwirte müs-
sen sich anpassen, es führt kein Weg daran vorbei, auch Meryl Meier, *1997, Schüpfheim
wenn die Umsetzung schwierig ist.» Für gewisse Land- Beraterin und Lehrperson Betriebswirtschaft BBZN
wirte ist die Anpassung einfacher, als für andere, welche Schüpfheim

