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                   Urnen beisetzung am Beispiel einer meiner Cousinen bewusst.   Fragen rund ums Leben und Sterben habe ich mich seither im-
                   Sie war – wie alle – überrascht vom Tod meines Vaters. Nur ein   mer wieder in unterschiedlichster Form auseinandergesetzt.
                   paar Wochen zuvor hatte sie ihn noch an einer Familienfeier   Von Herbst 2022 bis Frühling 2023 absolvierte ich die   AKTUELLES
                   gesehen. Und nun war da noch eine Urne. Da meine Cousine   Ausbildung zur «Fachfrau für Abschiedsrituale und Trauerfei-
                   weiter weg wohnt, war sie nicht während der Aufbahrung da   ern» bei Lebensgrund. Was in der Ausschreibung zum Lehr-
                   gewesen. Ob anschauen oder anfassen, beides hilft beim   gang angekündigt worden war, erwies sich in der Umsetzung
                   Be-Greifen.                                           als äusserst intensiv. Nebst vertieftem Studium und Austausch
                       Ebenso wichtig ist es, nach möglichem anfänglichem   von Fachwissen rund um die Themen Trauer und Sterben ging
                   Schock ins Handeln zu kommen. In meinem Fall passierte im   es da ans «Eingemachte». Ja, es «macht» etwas mit einem,   LEBENSWEGE
                   Besprechen und Schreiben des Nachrufs sehr viel an Verarbei-  wenn man die eigene Todesanzeige aufsetzt, den eigenen
                   tung. Dabei den Tränen freien Lauf zu lassen, machte das   Lebenslauf schreibt und Musik für die eigene Trauerfeier
                   Ganze noch hilfreicher.                               aussucht.
                       Allerdings war ich damals schockiert über meine Wut.   Gleichzeitig war eines wunderbar: zu sehen, dass viele
                   Später, als ich Zeit fand, mich tiefer mit den vielen Fragen rund   Rituale, die wir hier in unserer Kultur verankert haben, gemäss
                   um den Tod zu beschäftigen, stiess ich auf Modelle und Theo-  Trauertheorien ganz wichtig sind. Auch wenn sich die Bestat-  AKTUELLES
                   rien rund ums Thema Trauer. Dadurch konnte ich vieles einord-  tungskultur weg von gängigen Institutionen in neue Richtun-
                   nen und verstehen lernen. Dies war sehr beruhigend für mich   gen orientiert, richtig und falsch gibt es meiner Meinung nach
                   und bestärkte mich in der Haltung, dass es enorm wichtig ist,   nicht. Höchstens, gar nichts zu tun. Denn es zeichnet Men-
                   in der Trauer allen Gefühlen Raum zu geben.           schen aus – und es ist sogar ein Akt von Fürsorge –, sich um
                       Alle tun etwas und tragen etwas bei – ebenso kleine Kin-  Sterbende zu kümmern und Tote zu begraben.
                   der: Dies war uns auch beim Abschied unserer Mutter wichtig.                                                  AKTUELLES
                   Vor dem öffentlichen Gottesdienst hatten wir die Urnenbei-  Schwellenmoment: ein kleiner Tod
                   setzung im Familienkreis geplant. Einer meiner Brüder trug die   Geburt, Schuleintritt, Erwachsenwerden, Berufsabschluss,
                   Urne, einer das Kreuz mit dem Namen meiner Mutter, ich hielt   Heirat, Stellenwechsel, Trennung, Umzug, Auszug der Kinder,
                   die Blumen, Schwiegerkinder und Grosskinder nahmen alle   Pensionierung, Tod: Im Kreis des Lebens gibt es immer wieder
                   eine Engelfigur mit auf den Weg von der Aufbahrungshalle zum   Übergänge. Manchmal fühlt sich ein solcher Schwellen moment
                   Friedhof. Doch ein Grosskind fand, es trage das Kreuz und der   gar an wie ein kleiner Tod, weil wir etwas definitiv loslassen   AKTUELLES
                   Papa könne den Engel übernehmen. Der viereinhalbjährige   müssen und wir unserer Vergänglichkeit bewusst werden.
                   Knirps hatte seine liebe Mühe mit dem Holzkreuz – es über-    Darum finde ich es umso wichtiger, wenn wir diese Schwellen-
                   ragte ihn bei Weitem. Wir liessen ihn gewähren, schmunzelten   zeiten gestalten – und Umbrüche als Aufbrüche in neue Welten
                   herzhaft und dachten, dass das Grosi ihre innig geliebten Enkel   nutzen.
                   jeweils auch (fast) alles machen liess und nun vermutlich ihre
                   helle Freude an der unüblichen, lustigen Situation hatte …                                                    AKTUELLES
                       Beerdigungen und Trauerfeiern sind häufig schwierig.   Martina Emmenegger Burkart, *1977, Schüpfheim
                   Gerade solche spontanen Momente können wunderbar ent-     zert. Gestalterin von freien Trauerfeiern und Abschieds-
                   spannend wirken. Und Lachen ist durchaus erlaubt.         ritualen, Mitarbeiterin Pflege und Betreuung

                       Die grossen Fragen
                       An Trauerfeiern wird man mit der eigenen Vergänglichkeit                                                  AKTUELLES
                   konfrontiert. Als mein Vater starb, war ich 27. Meine Mutter
                   hatte mit 69 eine Hirnblutung und war fortan pflegebedürftig.
                   Mit rund 70 Jahren schloss sich ihr Lebenskreis. Ich war 37. Wer
                   bin ich? Was mache ich? Was will ich? Mit diesen und anderen
                                                                                                                                 AKTUELLES







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