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                   geführt, aber auch zum Kollaps des Staates und einer anarchi-
                   schen Situation, in welcher bewaffnete Gruppen das Land be-
                   herrschten. Danach bekam ich die Möglichkeit, in Tschetsche-                                                  AKTUELLES
                   nien im Nordkaukasus, einer gebirgigen Region zwischen dem
                   Kaspischen und dem Schwarzen Meer, zu arbeiten. Für mich,
                   aufgewachsen in einem Europa des Kalten Krieges, war das spe-
                   ziell interessant, weil es das mir sehr vertraute Lebensgefühl
                   einer bergigen Umgebung mit einem ungewöhnlich exotischen
                   Gefühl, hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang zu sein, ver-                                                  LEBENSWEGE
                   band. Ich bekam unmittelbar mit, wie schwierig ein so gigan-
                   tischer politischer und gesellschaftlicher Wechsel ist und mit
                   wieviel Gewaltpotenzial das in Tschetschenien verbunden war.


                       Familienleben im Heiligen Land und sogar in China
                       Nachdem wir eine Familie geworden waren, brachte uns                                                      AKTUELLES
                   eine neue Rolle hin zu einem Einsatz nach Jerusalem, wo ich in
                   Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten mitarbei-
                   tete. Ich übernahm die Funktion als Verantwortlicher der Kom-
                   munikation im wohl anspruchsvollsten Kontext, und die Feuer-
                   taufe funktionierte irgendwie. Die Arbeit an diesem Ort war
                   aufreibend, aber auch aufregend, und die Familie wuchs weiter                                                 AKTUELLES
                   mit der Geburt unserer zweiten Tochter im Heiligen Land.
                       Es folgten Einsätze in Sri Lanka, wo sich in einem speziell
                   brutalen Krieg inmitten wunderschöner tropischer Landschaf-
                   ten, wie oft, die Ärmeren unter der Bevölkerung auf einem
                   diffusen Schlachtfeld gegenüberstanden. In Indonesien ar-
                   beitete ich im Epizentrum des Schadens, welchen der Tsunami                      Martin Unternährer beim Gespräch   AKTUELLES
                   im Jahr 2004 angerichtet hatte. Ich sah, wie die Natur – dies-                   am Stand des IKRK an einer Berufs-
                   mal nicht der Krieg – mit einer tektonischen Bewegung eine                       fachmesse in Seoul, Südkorea. Der
                                                                                                    Grund für die Teilnahme war, korea-
                   ganze Stadt innert wenigen Minuten zermalmt hatte.                               nische Wasserbauingenieurinnen
                       Ich hatte schliesslich das Privileg, beim ersten Team des                    oder medizinische Fachkräfte für die
                   IKRK, das in Peking stationiert war, dabei zu sein. Zum Arbeits-                 Arbeit beim IKRK zu interessieren.
                   gebiet dieses regionalen Büros gehörte auch die koreanische                                                   AKTUELLES
                   Halbinsel und daher auch das Arbeiten in Nord- und Südkorea.                     Martin Unternährer beim Dokumen-
                   Nach fast zehn faszinierenden Jahren im Reich der Mitte                          tieren der Arbeit des IKRK in Nord-
                     bekam ich die Aufgabe, die regionale Kommunikation des IKRK                    korea. Hier in einem Spital, in welchem
                                                                                                    das IKRK einen Kurs für Chirurgen
                   im arabischen Raum von Kairo aus zu koordinieren. Mit Kon-                       anbot.
                   flikten in Jemen, Irak, Syrien, Libyen, im Sudan, in den besetz-
                   ten palästinensischen Gebieten, von denen immer eines oder                                                    AKTUELLES
                   mehrere am Brennen waren, schien die Arbeit ohne Atem-  während der Zeit des grossen Auswanderns im 19. Jahrhun-
                   pause. Den Grossteil der Covid-Zeit verbrachte ich schliesslich   dert, als sich viele Entlebucher einen neuen Platz zum Leben
                   in Syrien und Äthiopien.                              suchten, sei es in neu industrialisierten Gegenden in der
                       Ein Faktor, der auch zu meiner langen Karriere beim IKRK,   Schweiz, in Europa oder in den Weiten der Neuen Welt.
                   dessen Hauptsitz in Genf ist, beigetragen hat, war die Mög-  Und jetzt, nachdem sich der Kreis geschlossen hat und ich
                   lichkeit, praktisch jedes Jahr in die Schweiz zurückkehren zu   nun wieder im Entlebuch lebe, holt mich meine Biografie ein   AKTUELLES
                   können und bei der ersten Gelegenheit die Familie in Dopple-  mit dem Gefühl, an vielen Orten etwas investiert, gelernt und
                   schwand zu besuchen.                                  gelassen zu haben. Trotzdem bin ich noch neugierig und frage
                       Mit meinem Kopf voller verschiedenster Impressionen aus   mich, was ich alles in den nächsten Jahren erleben darf und
                   Krisengebieten, aus denen immer viele Menschen flüchteten,   insbesondere, wo in der Welt das stattfinden wird.
                   habe ich mich oft gefragt, was sich früher im Entlebuch abge-
                   spielt hatte. Als zum Beispiel vor ein paar hundert Jahren wäh-                                               AKTUELLES
                   rend der konfessionellen, territorialen und machtpolitischen   Martin Unternährer, *1964, Doppleschwand
                   Auseinandersetzungen, welche im Entlebuch ausgetragen     langjähriger Mitarbeiter beim Internationalen Komitee
                   worden waren, Menschen ihr Glück woanders suchten. Oder gar   des Roten Kreuzes
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