Page 117 - 011021023003___01_06.indd
P. 117
115
NATUR
Die «Bierbrauerei Frohsinn»,
errichtet 1866 in Hasle, braute
nur bis 1889 ihr Bier.
[Bild: «Aus alter Zeit»,
Otto Wicki, Schüpfheim, 2003]
Mundart
kocht und den dabei gewonnenen Zuckersand als Täfelchen während ihrer ganzen Karriere auf das in ihrem Heimatdorf
verkauft. Es entstanden bei den Alphütten um Marbach Zu- produzierte Wachs. In den 50er-Jahren wurde die Konkurrenz
ckerhütten – einfache, überdachte Feuerstellen, die das Ein- durch die Grossindustrie zu gross und der Betrieb war nicht
dampfen der Schotte möglich machten. Der Holzverbrauch war mehr rentabel.
beträchtlich – für 100 Kilogramm Zuckersand wurden rund
zwei Klafter Holz verbrannt. Der Zuckersand wurde verarbeitet Zigarren aus Escholzmatt und Bier aus Hasle LOKALES
und bis nach Italien, Deutschland, Böhmen, aber auch in die An der Riedgasse in Escholzmatt produzierte die Zigar-
USA verteilt. Der Preis für einen Doppelzentner betrug in den renfabrik von Robert Röösli ab 1861 Zigarren. Als der «Stum-
Blütezeiten 120 bis 250 Franken. Zwischen 1811 bis 1883 sol- pen» populär wurde, profitierte auch die Zigarrenfabrik Röösli
len so gegen 11 Millionen Franken nach Marbach geflossen davon und produzierte ein halbes Jahrhundert lang unter an-
sein. Ende des 19. Jahrhunderts gab es aufgrund der Kahl- derem den «Balmerstumpen» für die Firma Balmer in Schüpf-
schläge vermehrt Überschwemmungen. Zudem wurde die Her- heim. 1952 ging die Fabrik ein, weil kein Nachfolger gefunden
stellung in den modern eingerichteten Zuckerfabriken viel und die Konkurrenz der modernisierten Grossindustrie zu
günstiger und die Industrie in Marbach hatte keine Überle- gross wurde.
bensgrundlage mehr. Im Jahre 1866/67 wurde in Hasle eine Bierbrauerei in-
stalliert. Das produzierte Bier wurde mit Pferdefuhrwerken,
Uhren- und Skiwachsproduktion in Flühli Hundegespannen oder mit dem Räf im ganzen Entlebuch ver-
Weit weniger erfolgreich war die Uhrenproduktion im Ent- teilt. Der Brauereivorgang war mühsam und streng. Als in Lu-
lebuch. Im Torbach in Flühli wurden von 1881 bis 1888 von bis zern moderne Einrichtungen entstanden, die automatisch ar-
zu 48 Arbeitenden Uhren produziert. Der beschwerliche Fuss- beiteten, konnten die kleinen Betriebe im Kanton nicht
weg nach Flühli und die schlechten Löhne sollen aber dafür konkurrenzfähig bleiben. So wurde der Brauereibetrieb 1889
gesorgt haben, dass das Unternehmen keine Arbeiter mehr aufgegeben und fortan verteilte «Biertoni» Anton Wicki An-
fand und deshalb nicht weitergeführt werden konnte. fang des 20. Jahrhunderts mit seinem Bierfuhrwerk das Bier
Auch die «Freizeit-Industrie» hatte ihren Platz im Entle- aus Luzern im ganzen Entlebuch. Bekanntlich hat das Bier-
buch. So stiegen im 20. Jahrhundert in Flühli Ernst Minder und brauen in den Anfängen des 21. Jahrhunderts im Entlebuch
Fritz Wicki in die Skiwachs-Produktion ein. Mit ihrem «MIWI- wieder Einzug gehalten, womit eine alte Idee wieder aufge-
Skiwachs» erzielten sie besonders während des Zweiten Welt- nommen wurde.
kriegs regen Absatz. Auch Weltmeisterin Ida Schöpfer zählte

