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Susanne Dängeli
Pioniertaten in Handwerk
und Gewerbe
Nicht erst heute ist die Suche nach neuen Geschäftsideen prä- sowie der vorhandenen Wasserläufe als praktische Transport-
sent. Seit der Industrialisierung gibt es immer wieder neue wege. In der Blütezeit waren in Flühli sechs bis acht Glasbläser
Geschäftszweige, die sich entweder erfolgreich durchsetzen, und 40 bis 50 Facharbeiter am Werk. Zu Beginn des 19. Jahr-
manchmal als Misserfolg abgebucht werden müssen oder nach hunderts begannen Volk und Behörden, Druck auf die Glaser-
längerer Pause neu entdeckt und wieder aufgebaut werden. eien auszuüben, weil alles Holz, das zur Versteigerung für das
Auch im Entlebuch gab und gibt es innovative und beharrliche Volk bereit gemacht wurde, durch die Glaser weggekauft wurde
Menschen, die Pionierarbeit geleistet und ihr Handwerk oder und der Holztransport Schäden verursachte. Zudem wurde die
ihre Geschäftsidee ausprobiert, durchgesetzt oder aus ver- Gefahr für Unwetterschäden durch die fehlenden Wälder grös-
schiedenen Gründen wieder ausprobiert sowie durchgesetzt ser. Die Vorschriften wurden verschärft und die Glaserei war
haben. Nicht erst heute existiert das Spannungsfeld zwischen damit zum langsamen Aussterben verurteilt. Nach 1818 wur-
florierender Wirtschaft, dem Wohl der Bevölkerung und dem den jeweils im Wechsel 25 Wochen in Flühli und 25 Wochen in
Landschaftsschutz. Gerade die stark holzverbrauchenden In- Hergiswil geglast, bis die Glaserei 1870 komplett nach Hergis-
dustrien der Glaserei und der Milchzuckerfabrikation waren wil verlegt wurde und das Handwerk im Entlebuch einging.
diesem gegen Ende ihrer Existenz stark ausgesetzt. Auch die
aufkommende Grossindustrie hatte um die Jahrhundertwende Milchzucker aus Marbach
zum 20. Jahrhundert ihren Einfluss auf die Existenz der klei- Ebenfalls von den Waldreserven zehrte die Milchzu-
nen Betriebe im Entlebuch. cker-Fabrikation in Marbach. Ein Küher soll gemäss lokaler
Überlieferung per Zufall den Milchzucker entdeckt haben, als
Glaserei in Flühli und Romoos er über den Winter den Ziger in einem Käsetuch aufgehängt
Gut bekannt ist die Geschichte der Glaserei im Entlebuch. hatte, um die Molke vollständig abfliessen zu lassen. Dabei
Die Glaserei wurde in Flühli (und für kurze Zeit in Romoos) an- habe er eines Tages anstelle der abgeflossenen Molke weisse,
sässig wegen des verbreiteten und meist ungenutzten Waldes süsse Kristallkörner entdeckt. Er habe fortan Molke einge-
Dieser Nachbau eines Milchzucker-
ofens steht im Entlebucherhaus. Die
einem abgenagten Maiskolben ähn-
lichen Stücke sind noch Milchzu-
cker-Kolben aus Marbach.
[Bild: Rita Kuster]
Das MIWI-Skiwachs aus Flühli war
zu seiner Zeit sehr beliebt.
[Bild: zVg, zentralgut.ch/image/
SSH_Minder_00016/1/]

