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Kurt Graf
Anleitung zum Bau
einer Triste
Malerisch präsentieren sie sich auf Wiesen und Feldern, die nicht mehr Mist ausführte, kam minderwertiges «Miesch»
hoch aufragenden Heuhaufen. Sie dienen heute entlang von (Moos) auf. Man betrieb den Bergheuet mit Tristen bis in die
Wanderwegen als Blickfang und stimmungsvolle Bereicherung 1960er-Jahre.
der Landschaft. Ihr Aufbau war vor 100 Jahren wohl jeder Bau-
ernfamilie bekannt, ebenso deren Nutzung. Schliesslich Vorarbeiten beim Bergheuet
musste man sich genügend Viehfutter für den lange andauern- Man mähte die «Heumattli» Ende Juli, Anfang August und
den Winter sichern. Doch warum konservierte man das Heu auf liess das Gras einen oder zwei Tage trocknen. Anschliessend
diese eigenartige Weise? Wie gingen die Bauernfamilien dabei «heimer tristnet», aber erst ab Dezember das Bergheu ins Tal
vor? Am einfachsten fragen wir im Entlebuch nach, was davon gebracht. Es hörte sich im Dorf vertraut an, wenn frühmorgens
in Erinnerungen geblieben ist. um 6 oder 7 Uhr die Pferdeschlitten vorbeiglitten und vom
Kummet herab die Glöcklein bimmelten. Schulkinder machten
Verbreitung in höheren Lagen und auf Riedflächen sich einen Spass daraus, schnell hinten aufzusitzen und
Kobi Lötscher, Jahrgang 1933, Bauer vom Badschache in mitzureiten.
Schüpfheim, versichert spontan, dass er selbstverständlich Zu zweit, dritt oder viert wurde während eines ganzen
noch immer Tristen bauen könne. Schliesslich hat er im Tages mit der Sense gemäht, zwischendurch vielleicht mal
Stillaub-Möösli am Schimbrig mit dem Jodlerehepaar Franz «tängelet». Das zugehörige Eisenstück, den «Tängelistock»,
und Rosa Röösli-Alessandri beim Bergheuet getristet. Aber montierte man auf einem Baumstrunk. Selbstverständlich wa-
«es git vill ztüe bim Fuetere», zumal schon im Talbetrieb unten ren Hammer und Wetzstein dabei, aber auch Verpflegung:
viel «iigheuet» worden ist. Auf der Hurnischwand zwischen Brot, Wurst, Kaffee mit Zucker und Schnaps. Kobi erhielt als
Südelhöchi und Salwideli tristeten etliche Bauernfamilien Lohn ein «Fueder Heu». Beim Mähen halfen manchmal seine
jeweils in 1200 bis 1400 Metern Höhe, ebenso am Schüpfer- Brüder, etwa nach Feierabend oder am Samstag.
berg, gegen die Hilferen hinauf und an der Beichlen bis gegen Am Morgen des dritten Tages kehrte man eventuell das
Escholzmatt hin. Heu noch kurz, bevor man es zum Tristenplatz brachte. «Zue-
Auf dem Bleikebode drei Kilometer südöstlich von Flühli räche» konnte man mit Rechen oder grosser Gabel und es am
verpachtete die Korporation Escholzmatt stets zirka 30 Par- Hang «obenabe stosse».
zellen. Diese einen halben bis einen ganzen Hektar grossen
Bergheuwiesen auf 1200 Metern Höhe wurden meistens über Aufbau einer Triste
Jahre von der gleichen Pächterfamilie bewirtschaftet. Dort Auf einem «gvierte» Platz von rund 1,5 mal 1,5 Metern
gab es allenfalls Ställe für die Pferde, aber keine Heuschober musste man mit einem Stecheisen etwa einen Meter tief vor-
oder «Schürli». In den «Mööseren» fehlten Scheunen, dafür be- lochen. Wenn man die Tristenstange aufgestellt hatte, ver-
günstigte aber im Winter der gefrorene Boden den Transport. keilte man sie im Loch mit grossen Steinen. Die zirka 6 Meter
Häufig war es also eher mooriges Gelände. Auch hier hohe Stange liess man allerdings meistens mehrere Jahre ste-
wurde gelegentlich Mist ausgetragen, «zettet». Meist wurde hen, sofern sie nicht angefault war. Den Platz legte man mit
der Mist oder auch die Schlacke mit Pferd und Schlitten «use abgesägtem Rundholz der gefällten Fichte wie Zaunschwellen
gfüert». Erst viel später kamen «Kübelmistzetter» auf. Jeden- bodeneben aus und breitete darüber grüne Fichtenäste oder
falls wuchs hier vielseitiges Gras, das die Kühe gern frassen. Erlensträucher aus.
Man verwendete häufig auch die gröberen Halme, «Lischen», Kobi nahm oben das Heu in Empfang, verteilte es gleich-
die auf besonders mageren Böden wachsen. Sie ergaben Futter mässig um die Tristenstange und stampfte es fest. Eine Triste
für Jungvieh und Ziegen. Diese liebten auch die üppig wach- sollte Birnenform aufweisen, also nicht kegelförmig sein.
sende «Rämsere» (Bärlauch). Weil man aber in späteren Jahren Aussen wurden die Wände geschrotet, «abgrächet». Mit der

