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Guido Schumacher
Aufbruch in den Wilden Westen
Aufbruchstimmung herrschte um die Mitte des 19. Jahrhun- rütti). Ob hier wohl Bären lebten? Zwar gibt es in der Gemeinde
derts in den Vereinigten Staaten, als aus dem stets stärker Romoos die Alp Bärn oder Bärnalp, in deren Namen das Wort
besiedelten Osten immer mehr Menschen westwärts, in den Bär steckt, eine Stelle, wo ein Bär gesichtet oder erlegt wurde.
sogenannten Wilden Westen, zogen. Aus wirtschaftlichen Der Liegenschaftsname Bärüti jedoch deutet auf einen Besit-
Gründen waren auch Emigranten aus dem Entlebuch dabei. Das zer Bero oder ähnlich hin. Zusammen mit dem Rodungsnamen
Elsass war eine weitere Gegend, wohin Menschen aus unserem ergibt sich die Bärüti.
Tal in verschiedenen Zeitepochen aufbrachen, um dort ein In Verbindung mit einem Substantiv gibt es eine breite
wirtschaftlich besseres Leben zu erfahren. Palette von Flurnamen. Dort, wo Gerste angepflanzt wurde,
In Aufbruchstimmung waren vor fast 1000 Jahren aber liegt die Gärsterüti in Marbach, die Pfaffrüti in Flühli deutet
auch alemannische Siedler, die von Osten her in unsere Gegend auf Grundbesitz von geistlichen Stiftungen oder Klöstern hin
einzogen, in unser Tal, in die heutige UNESCO Biosphäre Entle- (wobei der Name «Pfaff» in alter Zeit keine verächtliche Be-
buch, die auch schon mal als «Wilder Westen von Luzern» ver- deutung hatte) oder die Stutzrüti in Escholzmatt weist auf
marktet wurde. Unsere Landschaft glich damals jedoch einem eine stark ansteigende Stelle im Gelände, einen Stutz, hin.
dichten Urwald; der Talboden war sumpfig und wurde in der
ganzen Breite von Gewässer und Buschwald durchzogen. Die
ersten Siedler, die in unser Tal zogen, mussten deshalb das
Land zuerst urbar machen, Waldstücke abholzen und in Kultur-
land umwandeln. Diese Rodungen geschahen vor allem durch
Schwändten oder Rüttenen. Sie liegen denn auch im Ursprung
eines überaus grossen Anteils der Flurnamen im Entlebuch.
Rodungen als Schwand / Schwändi, Rüti und Brand
Die Benennungen für Rodungsnamen können in drei
Hauptgruppen eingeteilt werden, nämlich in Schwand/
Schwändi, in Rüti und in Brand. Namen mit den Grundwörtern
Hack, Hau, Ron/Grön, Schlag/Schlacht, Schrot/Gschröt, Stock Bärüti [Bilder: Guido Schumacher]
oder Chol dagegen sind jünger und Namen aufgrund der
Waldnutzung. Schwänden war das meist eingesetzte
Für welche Art der Rodung aber wurden welche Namen Rodungsverfahren
verwendet? Gemäss Radio-SRF-Mundartexperte Christian Der Hauptrodungstyp Schwand, schwändte, dagegen ist
Schmutz ist mit Rüti, rüttene das Roden, urbar machen, ge- ein Rindenschälverfahren, bei dem die Bäume mit Einschnit-
meint, und zwar mit dem Abbrennen der Sträucher (Brandro- ten verletzt wurden und abgestorben sind. Waser weist auf das
dung). Dass dafür klare Regeln galten, ist im Instruktionsbuch Idiotikon hin, wo Pfarrer Stalder schreibt: «Der schweiz. Land-
der Landvögte aus dem 16. Jahrhundert festgehalten: «Das wirth macht einen wesentlichen Unterschied zwischen den
fürhin niemant meer einiche Rütti gegen der nacht anzünde Rodungsverfahren des Schwändtens und Rütens. Jenes ge-
oder brenne, sondern ein jeder sin gelegenheit by dem tag schieht durch blosse Einschnitte oder Gehau, dieses aber
darzu ussgange.» durch Abbrennen.» Heute ist schwändten zu einem allgemei-
Im Schärlig gibt es die Rüti (Einzelwort). Bereits 1386 nen Rodungsbegriff geworden und wird mehr oder weniger für
wurde hier in einer Urkunde «Nicolaus in der Ruti» erwähnt. alle Rodungsvarianten verwendet. Im Entlebuch sind diese
An aussichtsreicher Lage in der Gemeinde Romoos liegt die Namen oder Ableitungen davon ausserordentlich häufig anzu-
Liegenschaft Bärüti (ältere Schreibweisen: Bärrüti und Bär- treffen. Gemäss Waser umfasst alleine die Bezeichnung

