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                                                                         lebuch war zwar ein gewichtiges Motiv für Auswanderung und
                                                                         Auswanderungsgedanken. Nur lässt sich schwer nachweisen,
                                                                         dass Entlebucher häufiger ausgewandert wären als andere.   AKTUELLES
                                                                         Viele haben ein kümmerliches Leben einem risikoreichen Auf-
                                                                         bruch vorgezogen. Abschiebung war als Phänomen zwar be-
                                                                         kannt, wurde aber eher als Idee durchgespielt: 1815 schlägt
                                                                         der Schüpfer Hirsmontagsbote den Freunden in Entlebuch vor,
                                                                         das dortige «Ungeziefer» auf dem Seeweg nach Ostindien zu
                                                                         verfrachten, vorbei an Basel, Amsterdam und den «halben   LEBENSWEGE
                                                                                                         10
                                                                         Datten» (Hottentotten) in Südafrika . Im Übrigen hat sich
                                                                         hierorts mit gelegentlichen Ausnahmen ein gewisses Selbst-
                                                                         bewusstsein hartnäckig gehalten. Das kommt sogar im Stolz
                                                                         zum Ausdruck, Entlebucher hätten auswärts Grosses geleistet,
                                                                         etwa Adolf Portmann oder Pater Anton Duss.

                                                                             «Migration»: eine andere Wahrnehmung                GESCHICHTLICHES
                   Diese Werbetafel hängt im Entle-
                   bucherhaus und warb wohl auch im                          In neuerer Zeit sprechen wir von Migration. Als Beispiel
                   Entlebuch für Kunden.                                 diene Margrit. Ihr Thurgauer Urgrossvater Scherrer kam nach
                   [Bilder: Friedrich Schmid]                            Kriens, heiratete eine Renggli, unter deren Entlebucher Vor-
                                                                         fahren auch Steffen, Dahinden oder Wicki waren. Ihr Gross-
                                                                         vater Scherrer, der eine Papierfabrik in Finnland und dann in   AKTUELLES
                                                                         Landquart leitete, war verheiratet mit einer Maria Rengelrod,
                                                                         Tochter eines Österreichers und einer Bürgerin von Entlebuch:
                   fahrt verringerte sich von vier Monaten auf eine Woche. Bis   Katharina Brun, Schwester vom Boris Johnsons Ururgross-
                   1892 betrat man amerikanischen Boden in Castle Garden,   vater. Margrit selbst ist in Zürich aufgewachsen, lebt aber ver-
                   heute Battery Park an der Südspitze von Manhatten, von 1892   heiratet seit Jahrzehnten in den USA, mit amerikanischem
                   bis 1954 war Ellis Island die Empfangs- und Kontrollstation   Namen.                                          AKTUELLES
                   für 12 Mio. Immigranten, vornehmlich aus Europa. Ab 1886
                   wurden Ankömmlinge bei der Ankunft von der Freiheitsstatue
                   begrüsst. Allerdings schafften es viele nicht bis hierher, vielen   Friedrich Schmid, *1951, Einsiedeln
                   wurde die Unbill der Weiterreise zum Verhängnis. Dazu gehört   lic. phil., pensionierter Deutschlehrer
                   eine Reihe von Verschollenen wie Niklaus Wicki vom Rohrig-
                   moos, geboren 1842, der 1917 auf Mitte Jahr 1887 als «in                                                      AKTUELLES
                   Amerika verschollen» erklärt wurde. Im 19. Jahrhundert nahm
                   man mit der Auswanderung meist definitiv Abschied, erst da-
                   nach wurden Besuche in der alten Heimat wahrscheinlicher.

                       Beispiele von Auswanderung aus dem Entlebuch finden
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                   sich bei Aregger   oder Glanzmann  . Dort lesen wir über ge-  1 Schelbert, Leo: Von den historischen Ursachen der schweizerischen   AKTUELLES
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                   lungene und misslungene Auswanderung: Familie Josef und   Auswanderung: vier Deutungsmodelle. Schweizerisches Archiv für
                   Anton Marbacher von Escholzmatt nach Chicago, Familie Anton   Volkskunde 104, 2008, leicht abrufbar über www.e-periodica.ch.
                   Glanzmann von Marbach nach Chile (1827, misslungen), Fami-  2  Schmidiger, Andreas: BHE* 79, 2014.
                   lie Emmenegger vom Kurzenbach, Schärlig, nach Amerika (ab   3  Aregger, Julius: BHE 42, 1969, S. 25-26.
                   1904–1913), Josef Schnider von Flühli nach Amerika (1882) .   4  Moser, Franz: Archiv für Sippenforschung, 14, 1937, S. 173-216.
                                                                     8
                   Beim Verfasser liegen Briefwechsel zu weiteren Auswande-  5  Schürmann, Joseph: Luzerner Auswanderer 1640–1740. Verzeichnis   AKTUELLES
                   rern: Peter Emmenegger-Roos vom Spierberg, der nach 1889   von 1985 im Stalu. Abruf: 1.3.2023.
                   in Pensilvania eine Glashütte betrieb, oder Robert Duss vom   6  Aregger, Manfred: BHE 68, 2003, S. 5-78.
                                                                             7  Glanzmann, Ian Alexis: Reise in eine bessere Heimat.
                   Toreggli, der 1928 nach Halifax kam, später geheiratet hat und   Maturaarbeit 2016.
                   als Patissier nach Quebec gelangt ist.
                                                                             8  Jäggi, Stefan: Briefe. BHE 62, 1995, S. 5-18.
                                                                             9  Im Internet findet man Inserate der Cunard Line mit Generalagent   AKTUELLES
                       Eine Reklametafel der Agentur Detleyn im Entlebucher     Detleyn aus den Jahren 1929 bis 1934. Sie richten sich nur begrenzt
                   Museum  suggeriert eine besonders hohe Entlebucher Aus-   an Auswanderer.
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                   wanderungszahl, da es sogar in Schüpfheim ein Auswande-   10  Schmid, Friedrich: BHE 77, 2012, S. 149.
                   rungsbüro gegeben habe. Beides stimmt nicht. Armut im Ent-  *BHE: Blätter für Heimatkunde aus dem Entlebuch
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