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           Friedrich Schmid

           Entlebucher Auswanderung:


           Kontrapunkte














           Melchior vom Achergut musste sich 1854 einer hohen Frei-  Frühe Auswanderung
           heitsstrafe entziehen und gelangte nach Argentinien. Seine   Auswanderung beginnt fliessend. Junge Frauen als
           Grossnichte Katharina Morgan, ebenfalls vom Achergut, wurde   Dienstmägde im Luzernbiet, im Aargau, sogar in Basel oder
           1918 in Texas als vermeintlich deutsche Spionin unschuldig   Zürich: Einige heirateten auswärts. Saisonniers als Heuer im
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           verhaftet und blieb in El Paso hängen. Beides sind untypische   Gäu oder als Knechte und Sennen im katholischen Freiburg
           Auswanderungen mit grosser Nachkommenschaft ohne erhal-  oder Solothurn: Einige sind nicht zurückgekehrt, davon spre-
           tene Entlebucher Namen. Umgekehrt kamen Glaserfamilien   chen die Namen Feyer, Portmann, Stadelmann oder Emmen-
           wie Siegwart und Enzmann ins Entlebuch und haben hier die   egger in Freiburg. Soldaten, meist überzählige Söhne, kehrten
           Wirtschaft aufgewirbelt. Die Söhne und Töchter von Guiseppe   im Normalfall zurück, wenn sie nicht auf dem Feld oder in ei-
           Alessandri aus Preghena im Trentino haben allesamt hiesig   nem Lazarett in Neapel starben. Bei «Auswanderung» denken
           geheiratet und sind beste Beispiele gelungenster Integration.   wir kaum an solche Gruppen , auch nicht an die Familien, die
                                                                                         3
           – Wir sehen: Auswanderung hier ist Einwanderung dort. Die   aus Romoos über die Pfarrei Menzberg den Weg ins Hinterland
           Gründe für Migration sind vielfältig . Und Migration von   fanden wie die Roos oder lange davor die Lustenberger. 1691
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           Frauen gerät wegen Namensverlust völlig aus dem Focus.   sind tausend namentlich bekannte Bernerinnen und Berner
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                                                                 Ihnen wurde mit einem Viatikum, Weggeld, nachgeholfen, sie
                                                                 mussten gehen, Verstossene, nicht Aufbrechende. Viele haben
                                                                 den Zielort nie erreicht. Entlebucher fanden eher ins katholi-
                                                                 sche Süddeutschland und vor allem ins Elsass. Dorthin sind
                                                                 laut Schürmann   in den Jahren 1660 bis 1732, besonders 1680
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                                                                 bis 1710, 185 Personen aus dem Entlebuch weggezogen, Män-
                                                                 ner und Frauen, von denen wir den Namen kennen. Von Viati-
                                                                 kum ist hier nicht die Rede, denn nach dem Bauernkrieg sind
                                                                 Entlebucher freiwillig gegangen.

                                                                     Auswanderung ≈ Wegzug nach Übersee?
                                                                     Einige Klicks im Internet verdeutlichen die Vorstellung,
                                                                 Auswanderung sei eine solche in die USA oder nach Übersee.
                                                                 Tatsächlich haben viele Familien «jenseits des grossen Teiches»
                                                                 entfernte Angehörige. Viele davon finden wir auf My Heritage
                                                                 oder FamiliSearch oder beim Durchstöbern von amerikani-
                                                                 schen Census-Listen. In Escholzmatt treffen sich von Zeit zu
                                                                 Zeit einheimische und ausgewanderte Krummenacher. Gesamt-
                                                                 schweizerisch gesehen kam es 1817, 1854 und 1883 zu Aus-
           Ein Dreimaster, bis zirka 1880 das                    wanderungsspitzen. Die überseeische Auswanderung erfolgte
           häufigste Auswanderungsschiff                         über Basel, wo Andreas Zwilchenbart 1834 die bekannteste
           nach Übersee.
                                                                 Auswanderungsagentur gegründet hatte. Ihre Klienten wur-
                                                                 den nach Hamburg, Amsterdam oder Le Havre begleitet, wo
                                                                 die Seereise begann, bis gegen 1880 auf Dreimastern, danach
                                                                 fast ausschliesslich auf Dampfschiffen. Die Dauer der Über-
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