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Rony Bieri
Vom Umbruch, Abbruch
und Aufbruch
Den Entlebucher Wallfahrts- und Kraftort
erhalten und gestalten
Als jener Soldat im Mittelalter aufbrach, um an einem dieser Herkunft braucht Zukunft
blutigen Kreuzzüge teilzunehmen, legte er ein Gelübde ab: So die bekannte Heiligkreuz-Legende, frei nacherzählt
Sollte er heil zurückkommen, würde er an einem besonderen für die Entlebucher Brattig. Ob die Geschichte so stimmt, darf
Ort eine Kapelle bauen. Gesagt, getan: Um den besonderen Ort bezweifelt werden. Interessanterweise lassen sich auf Heilig-
zu finden, folgte er einem Ochsen, der ein Stücklein Holz vom kreuz aber gleich zwei energetische Kraftlinien messen, die
Kreuze Jesu trug. Immer weiter ging der Ochse – vom Elsass sich just im Chor der Wallfahrtskirche kreuzen. Der Entle-
her in die heutige Schweiz, über Sankt Urban nach Wolhusen, bucher Wallfahrts- und Kraftort zieht generationenüber-
wo der Soldat den Ort erreicht glaubte (die Wolhuser Markt- greifend Menschen aus nah und fern in seinen Bann. Seien
kapelle erinnert daran). Allein: Der Ochse erhob sich noch ein- es traditionell-religiöse Pilger oder «gottlose» Sinn- und
mal und stieg hinauf nach Wyttenbach, wie das Waldgebiet auf Lösungssuchende der modern-ochsenden Gesellschaft: Auf
Heiligkreuz damals hiess. Hier legte er sich endgültig da nie- Heiligkreuz können die Besucherinnen und Besucher sprich-
der, wo heute die weitherum sichtbare Wallfahrtskirche steht. wörtlich ihr «Kreuz ablegen». Gerade in Zeiten des Um- und
Die Kreuzreliquie ist eingelassen in die Monstranz, die im Aufbruchs schöpfen sie hier Mut und Kraft, erleben persönli-
Hochaltar golden glänzt. che Re-Kreation und erhalten Inspiration für nachhaltige
Lösungen.
Als Erlebniszentrum «Kraft für Körper, Geist und Seele»
beschreibt denn der unlängst verabschiedete Tourismusmas-
terplan der UNESCO Biosphäre Entlebuch, wie Hasle-Heilig-
kreuz in der Region positioniert und entwickelt werden soll.
Das geht einher mit den Zielen der Pflegschaft Heiligkreuz, die
an besagtem Tourismusmasterplan mitgearbeitet hat. Der
Treiber zum Aufbruch in die Zukunft des Wallfahrtsortes liegt
in der Essenz seiner Geschichte: Zukunft braucht Herkunft. –
Und: Herkunft braucht Zukunft!
Doch wie sieht das (junge) Entlebucher Volk seinen Wall-
fahrtsort in Zukunft? – An den Hauptpilgertagen ist die Wall-
fahrtskirche von Heiligkreuz zwar nach wie vor gut angefüllt.
Von der Empore aus der «Vogelschau» betrachtet, machen sich
die Pilgerschöpfe praktisch durchwegs grau aus. Es ist unver-
kennbar: Beim traditionellen Wallfahrtsvolk fehlt der Nach-
wuchs. Viele junge Leute brechen mit der Kirche. Auch in der
Pflegschaft Heiligkreuz erkennt man die Zeichen des Um- und
Aufbruchs: Es gilt, «Wallfahrt» neu, in erweitertem Sinn zu
denken. Die Pflegschaftsverantwortlichen sind sich bewusst,
dass Verwalten nicht nur erhalten, sondern mehr und mehr
auch gestalten heisst.
Der Ochse im Wirtshausschild
des Kurhauses erinnert an die
Heiligkreuz-Legende. [Bilder: zVg]

