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sen wurden». Was aus heutiger Sicht diskriminierend wirken
mag, widerspiegelt die damals vorhandene Angst der Behör-
den, im Falle einer Verarmung für mittellose Bürger aufkom- AKTUELLES
men zu müssen – gerade für eine finanziell angeschlagene
Landgemeinde wie Escholzmatt, welche damals über 10 000
Ortsbürger zählt. Denn früher war nicht der Wohn-, sondern
der Heimatort für die Sozialfürsorge zuständig .
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Die Einbürgerung kommt schliesslich nicht zustande. Erst
in der zweiten und dritten Generation legen die Söhne und LEBENSWEGE
Enkel von Josef und Emma Rava-Blaser nach und nach ihre
italienische Staatsbürgerschaft ab und lassen sich neben
Escholz matt unter anderem in der Stadt Luzern, Grosswangen
und Langnau im Emmental einbürgern. Einfacher als die männ-
lichen Sprösslinge der Familie haben es damals deren Töchter,
welche sich mit einer Ausnahme alle ausserhalb des Entle-
buchs verheiraten und nach der Eheschliessung das Bürger- GESCHICHTLICHES
recht ihrer Männer erhalten.
Aufbruch aus dem Entlebuch
Dass der Name Rava im Gegensatz zu anderen eingewan-
derten Geschlechtern, wie beispielsweise der Alessandri, im AKTUELLES
Entlebuch kaum mehr verbreitet ist, ist wiederum auf zahlrei-
che individuelle Aufbrüche zurückzuführen. So sind im Laufe
der Jahre jeweils die meisten Nachkommen der Familie der
Liebe oder der Arbeit wegen fortgezogen und heute in der gan-
zen Schweiz zu finden. Die Bauunternehmung in Wiggen wurde
1968 in eine AG überführt und an Arthur und Anna-Louise AKTUELLES
Rava- Koch übergeben. Im Jahr 1999 stellte die Rava AG schliess-
Mehrere Anläufe bis zur Einbürgerung lich ihre Tätigkeit ein.
Schon um die Jahrhundertwende besteht bei der Familie
Rava ausser auf dem Papier kaum noch Bezug zum ursprüngli-
chen Heimatland Italien. Die elf Kinder sind alle in der Schweiz Cyrill Zemp, *1997, Projektmanager, Küssnacht am Rigi
aufgewachsen und zur Schule gegangen. Hier werden sie «in Enkel von Arthur und Anna-Louise Rava-Koch sel. AKTUELLES
Schweizergeist und Schweizerart erzogen und betrachten un-
ser Schweizerland als ihre wahre Heimat, mit der sie ganz und 1 Bundesamt für Statistik (1990). Eidgenössische Volkszählung 1990, S. 4.
gar verwachsen sind», wie die Nachbarn aus Wiggen im Nachruf 2 www.blog.nationalmuseum.ch/2018/04/schmuggel-im-tessin.
von Josef Rava bekräftigen. 3 Roman Bussmann: «Strebi, Walter», in: Historisches Lexikon der
So kommt Ende der 1920er- Jahre der Wunsch auf, die ita- Schweiz (HLS), Version vom 29.06.2012.
4 www.geschichtedersozialensicherheit.ch/synthese/1975. AKTUELLES
lienische Staatsbürgerschaft abzulegen und sich in Escholz-
matt einbürgern zu lassen. Nachdem Sohn Emil bereits 1918
in Russo im Tessin eingebürgert worden ist und 1929 die eid-
genössische Bewilligung zur Einbürgerung für Josef und Emma
Rava-Blaser sowie die beiden jüngsten Söhne vorgelegen ist,
beauftragt die Familie den Stadtluzerner Anwalt Walter Strebi «Milano – Schärlig – Wi chli isch doch
– Schwager des Kunstmalers Hans Erni und Kulturmäzen – mit d'Wäut» AKTUELLES
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der Gesuchstellung um das Gemeindebürgerrecht von Escholz- Wie es der Zufall will, wird der Sohn eines sol-
matt. Obwohl Josef Rava in der Schweiz (im Tessin) geboren chen Arbeiters Jahre nach seiner Jugendzeit im
Schärlig, mitten in Mailand einigen auf einer Schul-
wurde und seine Frau vor der Heirat Schweizerin war, klappt reise verlorengegangenen Marbacher Sek-Schülern
dieses Unterfangen nicht auf Anhieb. begegnen und sie mit seinem Wissen über die hin-
In seinem Antwortschreiben erfragt der Gemeinderat terste Gemeinde im Entlebuch verblüffen.
zwar die Höhe der möglichen Einkaufssumme und bietet an, Diese Begegnung wurde in der Brattig 1997 (S. 42) AKTUELLES
das Gesuch für die nächste Gemeindeversammlung zu traktan- von Josef Ehrler in einer seiner kurzweiligen Mund-
dieren. Er merkt jedoch an, dass «in Escholzmatt seit vielen art-Erzählungen festgehalten.
Jahren alle Einbürgerungsgesuche von Ausländern abgewie-

