Page 121 - Entlebucher Brattig 2023
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           Nature Writing im Entlebuch






           Tamia Masaquiza













           Als ich den Begriff Nature Writing das erste Mal hörte,
           konnte ich mir nichts Konkretes darunter vorstellen.
           Gelesen hatte ich von dieser literarischen Bewegung
           bis anhin noch nie, auch wenn der Name an sich bereits
           den Inhalt erahnen liess.
           Literatur spielt in meinem Alltag als Schülerin eine
           grosse Rolle. Am Gymnasium Plus in Schüpfheim kon­
           zentriere ich mich auf Sprachen und komme dank dem
           Förderangebot der Kantonsschule im und nebst dem
           regelmässigen Unterricht ständig damit in Kontakt. Im
           Frühjahr sollte sich dieser sogar noch verstärken. Die
           Möglichkeit zum Mitwirken beim Pilotprojekt «Literatur­
           frühling» kam unerwartet – noch wusste ich nicht wirk­
           lich, was der Literaturfrühling alles im Programm bein­  Tamia Masaquiza trägt am «Literatur­
           halten würde, noch befand ich mich auf unbekanntem    frühling im Entlebuch» Texte zum
                                                                 Thema Nature Writing vor.
           Terrain. Doch die Neugier war geweckt, und so entschloss   [Bild: Fabienne Grüter]
           ich mich, mitzumachen.
           Rückblickend bin ich erfreut, diese Chance gepackt zu   meiner Herkunft auch auf über 3000 Meter über Meer
           haben. Mein Anteil war bescheiden, aber es hat mir    in Südamerika. Die vielfältige Landschaft dort mit ihrer
           unglaublich viel Spass gemacht! Nebst den «wasch­     Flora und Fauna hatte mich stets beeindruckt und ich
           echten» Autorinnen und Autoren wie Markus Kirchhofer,   wollte mithelfen, sie zu schützen. Deswegen war ich unter
           Leta Semadeni und Ulrike Draesner durfte ich noch viele   anderem auch mehrere Jahre im WWF aktiv.
           weitere Schriftstellerinnen und Schriftsteller an der Ver­  So ist es wohl nicht weiter erstaunlich, dass für mich das
           anstaltung selbst oder durch die vorzulesenden Texte   Nature Writing eine grosse Entdeckung war. Es hat mir
           kennenlernen. Ebenfalls konnte ich bei der Vorbereitung   vor allem wieder einmal bewusst gemacht, wie stark
           des Schlussteils mitwirken. Mit Markus Kirchhofer und   sich gesellschaftliche Probleme in der Literatur wider­
           Urs Felder galt es, den Kulturweg für die abschliessende   spiegeln und durch sie darauf aufmerksam gemacht
           Wanderung vorher abzugehen und die Pflanzung des      werden kann.
           Literaturbaumes zu organisieren. Ausserdem wurde      In Zukunft möchte ich mich deswegen vertiefter mit
           geplant, wo und wann welcher Text vorgetragen werden   Nature Writing auseinandersetzen. Ich glaube, dass die
           sollte. Das Vorlesen besagter Texte selbst musste noch   Gattung in den kommenden Jahren immer populärer wer­
           geübt werden, bis sie schliesslich am Literaturfrühling   den wird. Nature Writing passt zu unserer Zeit, zu unserer
           erfolgreich den Spazierenden vorgetragen wurden.      Generation. Es spricht Themen an, die aktueller sind denn
           Nebst diesen Erfahrungen bot der Event an diesem Tag   je. Dank Projekten wie diesen, in denen Jung und Alt aus
           einen vertieften Einblick in das Nature Writing, von dem   der Umgebung miteinbezogen sind, werden die ersten
           ich mich von Anfang an angesprochen gefühlt hatte. Ich   Veränderungen möglich. Wer weiss, vielleicht lesen wir
           selbst wuchs den Grossteil meiner Kindheit und Jugend   bald von jungen Autoren aus dem Entlebuch selbst?
           auf dem Land auf. Man könnte gar so weit gehen, mich
           als «Bergkind» zu bezeichnen. Denn ich lebte nicht nur   Tamia Masaquiza, * 2003, Menznau
           mehrere Jahre im Luzerner Berggebiet, sondern aufgrund   Gymnasiastin an der Kantonsschule Schüpfheim
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