Page 120 - Entlebucher Brattig 2023
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                   Literaturfrühling im Entlebuch





                   Cécile Vilas und Markus Kirchhofer














                   Am 5. März 2022 erblühte erstmals der «Literatur­     grosser Fluss» und aus ihrem Gedichtband «In mia vita
                   frühling», eine Pilotveranstaltung, die bewusst in der   da vuolp / In meinem Leben als Fuchs». Markus Kirch­
                   UNESCO Biosphäre Entlebuch stattfand. Sie war dem     hofer befragte sie zu ihrem literarischen Schaffen, beson­
                   Thema «Nature Writing» gewidmet, der Beziehung von    ders zu ihrem Bezug zur Natur. Der zweite literarische
                   Mensch und Natur, gespiegelt in literarischen Texten aus   Gast war Ulrike Draesner (Deutscher Preis für Nature
                   der Innerschweiz, dem Engadin und Deutschland.        Writing 2020). Sie ist Schriftstellerin und Professorin am
                   Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist seit jeher   Deutschen Literaturinstitut Leipzig und wurde über eine
                   ein zentrales Thema der Literatur. Aktuelle Umweltver­  Videoübertragung zugeschaltet. Cécile Vilas befragte sie
                   änderungen wie Biodiversitätsverlust oder Klimawandel   zu ihrem Werk, zu Nature Writing und zu ihren Projekten
                   haben zu neuen literarischen Bewegungen – dem soge­   mit angehenden Autorinnen und Autoren.
                   nannten (New) Nature Writing oder Ecocriticism –      Ein sehr anregender Programmpunkt war das Podiums­
                   geführt. Essays, Romane oder Gedichte eröffnen viel­  gespräch «Nature Writing in der Schweiz – zwischen
                   fältige Perspektiven auf die untrennbaren Verflechtungen   Tradition und Apokalypse»? Leta Semadeni (Autorin),
                   alles Lebendigen untereinander sowie mit der unbeleb­  Vera Thomann (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deut­
                   ten Natur.                                            schen Seminar der Universität Zürich) und Ulrich Niederer
                   «Literaturfrühling im Entlebuch» will diese Bewegungen,   (Präsident der Meinrad­Inglin­Stiftung) stellten sich den
                   die in der Schweiz noch wenig bekannt sind, thematisie­  Fragen von Cécile Vilas und Markus Kirchhofer.
                   ren und präsentieren. Deshalb wurde 2022 eine Pilotver­  Am Ende des Nachmittags hiess es dann: «Raus in die
                   anstaltung lanciert. Das Entlebuch und Engiadina Val   Natur»! Markus Kirchhofer führte über den Kulturweg
                   Müstair sind die einzigen UNESCO Biosphärenreservate   Schüpfheim, der gesäumt wird von den Lebensbäumen
                   der Schweiz. Sie kümmern sich um das Miteinander      des keltischen Baumkreises. Zuerst wurde bei der Kan­
                   von Mensch und Natur sowie um das Gleichgewicht zwi­  tonsschule unter Anleitung von Revierförster Moritz
                   schen nützen und schützen. Deshalb gibt es keinen stim­  Fischer ein Literaturbaum gepflanzt. Auf dem Rundweg
                   migeren Ort für Nature Writing in der Schweiz als eine   zitierte die Kantonsschülerin Tamia Masaquiza markante
                   Biosphäre. Der erste Literaturfrühling wurde im von allen   Texte des Nature Writing, die die Organisatoren aus­
                   Gemeinden der Biosphäre Entlebuch getragenen Entle­   gewählt hatten. Zurück beim Literaturbaum, einer präch­
                   bucherhaus in Schüpfheim durchgeführt. Mit der Schrift­  tigen Stieleiche, las Tamia Masaquiza eine Legende aus
                   stellerin Leta Semadeni waren auch die Sprachen der   Ecuador, wo sie jahrelang lebte. Die Sonne ging unter
                   Biosfera Engiadina Val Müstair vertreten.             und der eindrückliche Literaturfrühlingstag im Entlebuch
                   Die Veranstaltung stand unter dem Patronat der schwei­  war zu Ende.
                   zerischen UNESCO­Kommission. Deren Vizepräsidentin,
                   Dr. Gabriela Tejada, sprach ein motivierendes Grusswort,   Cécile Vilas, *1966 Luzern
                   dem sich eine Ansprache von Annette Schmid Hofer von   Romanistin/Hispanistin, langjährige Bibliotheks-
                   der UNESCO Biosphäre anschloss.                       und Kulturleiterin, Direktorin Memoriav
                   Der literarische Programmteil wurde von den beiden Initi­
                   anten, Markus Kirchhofer und Cécile Vilas, mit Zitaten   Markus Kirchhofer, *1963, Oberkulm
                   von typischen Texten des Nature Writing lanciert. Leta   Schriftsteller
                   Semadeni (Schweizer Literaturpreis 2016) war der erste
                   literarische Gast. Sie schreibt auf Rätoromanisch und
                   Deutsch und las aus ihrem druckfrischen Roman «Amur,
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