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Literaturfrühling im Entlebuch
Cécile Vilas und Markus Kirchhofer
Am 5. März 2022 erblühte erstmals der «Literatur grosser Fluss» und aus ihrem Gedichtband «In mia vita
frühling», eine Pilotveranstaltung, die bewusst in der da vuolp / In meinem Leben als Fuchs». Markus Kirch
UNESCO Biosphäre Entlebuch stattfand. Sie war dem hofer befragte sie zu ihrem literarischen Schaffen, beson
Thema «Nature Writing» gewidmet, der Beziehung von ders zu ihrem Bezug zur Natur. Der zweite literarische
Mensch und Natur, gespiegelt in literarischen Texten aus Gast war Ulrike Draesner (Deutscher Preis für Nature
der Innerschweiz, dem Engadin und Deutschland. Writing 2020). Sie ist Schriftstellerin und Professorin am
Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist seit jeher Deutschen Literaturinstitut Leipzig und wurde über eine
ein zentrales Thema der Literatur. Aktuelle Umweltver Videoübertragung zugeschaltet. Cécile Vilas befragte sie
änderungen wie Biodiversitätsverlust oder Klimawandel zu ihrem Werk, zu Nature Writing und zu ihren Projekten
haben zu neuen literarischen Bewegungen – dem soge mit angehenden Autorinnen und Autoren.
nannten (New) Nature Writing oder Ecocriticism – Ein sehr anregender Programmpunkt war das Podiums
geführt. Essays, Romane oder Gedichte eröffnen viel gespräch «Nature Writing in der Schweiz – zwischen
fältige Perspektiven auf die untrennbaren Verflechtungen Tradition und Apokalypse»? Leta Semadeni (Autorin),
alles Lebendigen untereinander sowie mit der unbeleb Vera Thomann (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deut
ten Natur. schen Seminar der Universität Zürich) und Ulrich Niederer
«Literaturfrühling im Entlebuch» will diese Bewegungen, (Präsident der MeinradInglinStiftung) stellten sich den
die in der Schweiz noch wenig bekannt sind, thematisie Fragen von Cécile Vilas und Markus Kirchhofer.
ren und präsentieren. Deshalb wurde 2022 eine Pilotver Am Ende des Nachmittags hiess es dann: «Raus in die
anstaltung lanciert. Das Entlebuch und Engiadina Val Natur»! Markus Kirchhofer führte über den Kulturweg
Müstair sind die einzigen UNESCO Biosphärenreservate Schüpfheim, der gesäumt wird von den Lebensbäumen
der Schweiz. Sie kümmern sich um das Miteinander des keltischen Baumkreises. Zuerst wurde bei der Kan
von Mensch und Natur sowie um das Gleichgewicht zwi tonsschule unter Anleitung von Revierförster Moritz
schen nützen und schützen. Deshalb gibt es keinen stim Fischer ein Literaturbaum gepflanzt. Auf dem Rundweg
migeren Ort für Nature Writing in der Schweiz als eine zitierte die Kantonsschülerin Tamia Masaquiza markante
Biosphäre. Der erste Literaturfrühling wurde im von allen Texte des Nature Writing, die die Organisatoren aus
Gemeinden der Biosphäre Entlebuch getragenen Entle gewählt hatten. Zurück beim Literaturbaum, einer präch
bucherhaus in Schüpfheim durchgeführt. Mit der Schrift tigen Stieleiche, las Tamia Masaquiza eine Legende aus
stellerin Leta Semadeni waren auch die Sprachen der Ecuador, wo sie jahrelang lebte. Die Sonne ging unter
Biosfera Engiadina Val Müstair vertreten. und der eindrückliche Literaturfrühlingstag im Entlebuch
Die Veranstaltung stand unter dem Patronat der schwei war zu Ende.
zerischen UNESCOKommission. Deren Vizepräsidentin,
Dr. Gabriela Tejada, sprach ein motivierendes Grusswort, Cécile Vilas, *1966 Luzern
dem sich eine Ansprache von Annette Schmid Hofer von Romanistin/Hispanistin, langjährige Bibliotheks-
der UNESCO Biosphäre anschloss. und Kulturleiterin, Direktorin Memoriav
Der literarische Programmteil wurde von den beiden Initi
anten, Markus Kirchhofer und Cécile Vilas, mit Zitaten Markus Kirchhofer, *1963, Oberkulm
von typischen Texten des Nature Writing lanciert. Leta Schriftsteller
Semadeni (Schweizer Literaturpreis 2016) war der erste
literarische Gast. Sie schreibt auf Rätoromanisch und
Deutsch und las aus ihrem druckfrischen Roman «Amur,

