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Romano Cuonz
Aufbrüche sichern in der Natur
oft das Überleben
Von einem, der auszog, den Adler kennenzulernen
Aufbruch zu neuen Ufern ist Das Abenteuer begann am Futterbrett
Suche nach neuen Horizonten. «Mein Vater hatte vor unserem alten Haus in Wolhusen ein
Markus P. Baumeler Futterbrett für Vögel aufgebaut», erinnert sich Rogen moser.
Die bunten, gefiederten Gäste hätten ihn als Buben fasziniert.
Der 72-jährige Paul Rogenmoser aus Schüpfheim ist zwei- «Ich bettelte so lange, bis ich ein Büchlein mit Bildern und
fellos einer der profundesten Kenner der Entlebucher Natur- Namen aller Vögel kaufen durfte», erzählt er. Als er älter
landschaft und insbesondere der einheimischen Vogelwelt. wurde, wollte er die faszinierenden Wesen, die er nun kannte,
Auf ihn treffen die Worte des Amriswiler Schriftstellers Markus auch in der Natur beobachten. Er trat dem Ornithologischen
P. Baumeler wirklich zu: Fast täglich bricht er in der geliebten Verein Wolhusen bei und präsidierte diesen zwölf Jahre lang.
heimischen Umwelt zu neuen Ufern auf und erweitert dabei «Als ich aus beruflichen Gründen nach Schüpfheim zog, grün-
ständig seinen Horizont. Dies, indem er in der Natur Entde- dete ich zusammen mit meinem Sohn Christian auch dort einen
ckung über Entdeckung macht. Seinen scharfen Augen ent- ornithologischen Verein», erzählt Rogenmoser. Heute sei die-
geht kaum ein fliegendes Geschöpf und seine geübten Ohren ser 25 Jahre alt, zähle über hundert Mitglieder und heisse
erkennen jeden Vogel an seiner Stimme. Seit der Geschäfts- «NaturNetz Schüpfheim». Seit nunmehr 24 Jahren bieten Vater
mann für keramische Wand- und Bodenbeläge pensioniert ist, und Sohn auch Exkursionen an, viele davon in Zusammenarbeit
kann er es sich leisten, immer wieder aufzubrechen. Zu per- mit der Biosphäre Entlebuch. Paul Rogenmoser schmunzelt:
sönlichen, aber auch zu geführten Exkursionen in noch intakte «Früher war ich sein Lehrmeister, heute arbeitet Christian bei
Entlebucher Landschaften. Dort frönt er seinem Hobby, der der Vogelwarte Sempach und so profitiere ich von ihm.»
Ornithologie, und gibt dabei viel von seinem Wissen an andere
weiter. Fasziniert vom mächtigen Steinadler
Besonders angetan hat es Paul Rogenmoser der Stein adler.
«Im Entlebuch bewohnt dieser ‹König der Lüfte›, der eine Flü-
gelspannweite von mehr als zwei Metern erreicht, fünf Re-
viere», sagt er. Diese reichen von Sörenberg über Flühli, Mar-
bach und Schimbrig bis hin zum Napf. Hoch über dem Tal, bei
einem entlegenen Heustadel, stellt Rogenmoser sein Fernrohr
auf. Richtet es auf die gegenüberliegende Felswand. Genau hin-
gucken, und man entdeckt den Horst! Darin sitzt ein schwarz-
weiss gefiederter Jungadler. Ab und an kommt er bis zum Rand
und bettelt mit schrillem Jjagg, Jjjagg, Jjjagg um Nahrung.
Dann der grosse Moment: Plötzlich ist das Stein adlerweibchen
da. Es landet sicher auf dem Horst, legt dem Jung adler ein jun-
ges Murmeltier hin. Doch kaum hat man den grossen Greifvogel
so richtig im Sucher, fliegt er auch schon wieder auf. Über das
Felsband hinweg, in schwindelnde Höhen.
Paul Rogenmoser ist ein profunder Rogenmoser weiss viel über den Steinadler zu berichten.
und engagierter Kenner der Entle- Als einziger grosser Beutegreifer der Schweiz hat er selbst die
bucher Vogelwelt. rücksichtslose Verfolgung im 19. Jahrhundert überlebt. Jene
[Bilder: Romano Cuonz]
Zeit, als Menschen mit Feuerwaffen und Fallen Luchs, Wolf,
Braunbär und auch Bartgeier erbarmungslos ausrotteten.

