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                       Die rote Arbeit
                       Und nun geht es an die rote Arbeit , so bezeichnet der
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                   Jäger das Aufbrechen des Tieres. Hubert trägt den Bock das                                                    AKTUELLES
                   Bort hinauf auf ein kleines, ebenes Plätzchen und legt ihn auf
                   den Ziemer . Zuerst schärft er mit dem Jagdmesser das Kurz-
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                   wildbret  und die Brunftkugeln  ab. Dann sticht er zwischen
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                   den Hinterläufen  leicht hinein und bewegt das Messer lang-
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                   sam unter der Wilddecke nach vorn. Dabei legt er Zeig- und
                   Mittelfinger links und rechts neben die Klinge, damit gibt es                                                 LEBENSWEGE
                   genügend Platz für das Aufschärfen. Er passt auf, dass sich die
                   Messerklinge schön unter der Decke vorwärts bewegt und gibt
                   Acht, dass diese nicht zu tief verläuft; sonst würde der Pan-
                   sen  verletzt werden und sein Inhalt würde austreten. Beim
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                   Brustbein angekommen, liegt nun das Gescheide  hinter dem
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                   Zwerchfell offen und er trennt Pansen, Gedärme, Milz, Blase
                   und Nieren vorsichtig heraus. Es ist ein spezielles, ein ange-                                                GESCHICHTLICHES
                   nehmes Gefühl, die Wärme der Bauchhöhle an den Händen zu
                   spüren. Nun beginnt die Arbeit vor dem Zwerchfell. Er wechselt
                   die scharfe Klinge kurz zum Sägemesser und trennt damit das
                   Brustbein, bis er am Träger angekommen ist. Jetzt kann er   Hochsitz auf Breitebnet, 1180 m ü. M.,            NATUR
                   auch Leber, Lunge und Herz entnehmen. Dann kehrt er den   im Jagdrevier Bramboden.
                   Bock und legt ihn auf den Bauch, damit der angesammelte   1
                                                                              Hubertus ist der Schutzpatron der Jäger. Er lebte Anfang des 8. Jahr-
                   Schweiss  aus der Bauchhöhle ausfliessen kann. So lässt er   hunderts und war Bischof von Lüttich. In diesem Artikel ist er das
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                   den Bock ein paar Minuten liegen. Unterdessen trennt er Le-    Pseudonym für den Jäger.
                   ber, Nieren und Herz von den übrigen Eingeweiden. Diese ent-  2  Weidwerken: In der Weidmannssprache spricht man auch von Weid-
                   sorgt er nachher im Wald, sie bilden eine willkommene Mahl-  werken, das ist gleichbedeutend mit Jagen.
                   zeit für die Füchse. Das kleine Jägerrecht , bestehend aus   3  Äsen: Gras fressen.                           AKTUELLES
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                   Leber, Herz und Nieren, versorgt er in einen kleinen Plastik-  4  100 Gänge: Ca. 100 Meter.
                   beutel und legt es in den Rucksack. Nun dreht er den Bock   5  Ansprechen: Das Tier erkennen und beurteilen nach Alter, Geschlecht
                   wieder auf den Ziemer, zieht den Enddarm durch das Weid-  und allfälligen Merkmalen.
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                   loch  hinaus und schneidet ihn ab. Mit einem kleinen Tannen-  6  Fadenkreuz: Im Zielfernrohr erscheinen je eine horizontale und verti-
                   ästchen säubert er das Weidloch. Nochmals dreht er den Bock   kale Linie. Dort, wo sie sich treffen, eben im Kreuz, erfolgt der Einschuss
                                                                             am Tier.
                   auf den Bauch, hebt ihn zuerst an den Vorder- und dann an den   7  Stecher: Der Abzug der Waffe ist «gestochen», das heisst, der Abzug ist   AKTUELLES
                   Hinterläufen an, damit der neu angesammelte Schweiss aus-  so eingestellt, dass sich der Schuss schon bei einer geringen Berührung
                   laufen kann. Damit ist die rote Arbeit vollendet.         löst.
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                       Weidmanns Heil                                        gelegt.
                       Hubert bindet Vorder- und Hinterläufe mit einer Schnur   9  Äser: Mund des Rehs.
                   zusammen, hebt den Bock auf seine Schultern und trägt ihn zu   10  Rote Arbeit: Das Ausnehmen des Tieres.     AKTUELLES
                   seinem Auto. Dieses ist fast eine Stunde Wegzeit entfernt. Auf   11  Ziemer: Der Rücken des Rehs.
                   halbem Weg trifft er auf einen Jagdkameraden, der dort im   12  Kurzwildbret: Der Penis des Bocks.
                   Gebiet seinen Bauernhof hat. Dieser bricht als Zeichen des   13  Brunftkugeln: Die Hoden des Bocks.
                   Schützenbruchs  ein Zweiglein von der nahen Tanne, benetzt   14  Hinterläufe: Hinterbeine.
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                   es leicht mit dem Schweiss des Bocks, gratuliert mit einem   15  Pansen: Magen.
                   kräftigen «Weidmanns Heil» und Hubert steckt es auf seinen   16  Gescheide: Eingeweide oder Aufbruch.         AKTUELLES
                   Jägerhut. Dann gehen sie in die Küche. Dort berichtet Hubert   17  Schweiss: Blut.
                   von seinem Erlebnis, und sie stossen auf seinen ersten Som-  18  Kleines Jägerrecht: Leber, Herz und Nieren gehören dem Schützen.
                   merbock an – geteilte Freude ist doppelte Freude.         19  Weidloch: After.
                                                                             20  Damals, vor fünfunddreissig Jahren, hat sich das Aufbrechen wie
                                                                               beschrieben abgespielt. Heute macht man zudem noch den sogenann-
                       Ruedi Lustenberger, *1950, Romoos, Schreinermeister   ten Drosselschnitt, schärft dabei die Kehle des Bockes auf und trennt   AKTUELLES
                                                                             dann die Luft und Speiseröhre heraus.
                       ehemals Kantonsrat, Nationalrat, Nationalratspräsident
                                                                             21  Schützenbruch: Der Schütze erhält von einem Kameraden einen Tan-
                                                                             nenzweig und steckt ihn auf der rechten Seite auf seinen Hut. Damit
                                                                               erkannt man den erfolgreichen Schützen.
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