Page 40 - Entlebucher Brattig 2023
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Erleben, erfahren und wissen wollen
Die kostbare Spreu, die beim Dreschen eines Familienforschers abfällt
Friedrich Schmid
In der Frühe des Herz-Jesu-Freitags vom 4. September Bluet oder Gelt
1936 riss in Schüpfheim eine Schlammlawine die
Gebäude des Hofes Ämenegg mit sich und begrub bis 1652, unmittelbar vor Ausbruch des Bauernkrieges, hat
auf den ältesten Sohn Josef die ganze Familie Röösli- der Landvogt Folgendes in sein Bussenheft geschrieben.
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Koch. Wenige Tage danach war im Entlebucher Anzei- «Weibel Hans Emmenegger (vom Lindenbühl) hat dem
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ger das Foto (unten) zu sehen, betitelt «Die Völkerwan- Bläsi Bieri Geld in die Stadt zu tragen gegeben und ist
derung nach der Unglücksstätte». Vom Rohr aus bewegt mit ihm bis Hasli gegangen, wo sie zusammen mit Hans
sich bei Regen eine endlose Menschenschlange Rich- Brand, Hans Kleeb und dem grossen Krummen acher
tung Oberrohr und von dort, durchaus erkennbar, weiter eine Mass Wein getrunken haben. In der Nacht geht der
zur Emmenegg. Heute wäre wohl in saurer Manier von Bläsi fort gegen die Stadt und ussert dem Dorf versäumt
Katastrophentourismus oder von Gaffern die Rede. Aber er sich etwas. Unterdessen sind Weibel Emmenegger
Hand aufs Herz: Wären Sie damals, in der Zeit vor dem und der grosse Krummenacher vorgeloffen, und der
Fernsehen, nicht auch mitgegangen, hätten die Stätte Krummenacher hat sich mit einem Tschopen um den
sehen und das Unglück einer Familie hingehend und Kopf verbutzt, ist hinder einer Schür hervorgekommen,
beschauend aufnehmen wollen? Damals gab es die hat den Bläsi angetastet und gesagt ‹Bluet oder Gelt›,
grossen Bittprozessionen mit Flurbegehung. Hier sehen und hat ihm das Gelt genomen. Als der Bläsi aber um
wir eine spontane Prozession von Erschrockenen: Auch Hilf geruefen, da sey der Brand gekommen, habe gesagt,
ihnen hätte das Unglück zustossen können. Selbstver- er soll wohl tröst sein, sie hätten den Schelm, und das
ständlich kann man wissen, dass auch damals Anteil- Gelt sey noch da. Um diseren Fählers hab ich den Weibel
nahme und blosse Schaulust Nachbarn waren. Emmenegger angelegt um 35 Gl., und den grossen
Krummenacher desgleichen um 35 Gl.»
«Die Völkerwanderung nach der
Unglücksstätte» – 1936 begrub eine
Schlammlawine den Hof Ämenegg
unter sich. Das Interesse der Bevöl-
kerung am Unglück war gross.

