Page 43 - Entlebucher Brattig 2019
P. 43
042
Ein Wendepunkt im Berufsleben lässt
den Bubentraum ausleben
Christof Burkart
«So, nun ist es genug.» Dieser Entscheid fiel im absolvierte ich Kurse für die Lastwagenprüfung. Meine
September 2010 auf einer Fahrradtour rund um den Idee war, in meiner Freizeit hin und wieder Fahrten mit
Genfersee zwischen Evian und Thonon. Dass ich so einem Lastwagen zu machen. Ein paar Mal war ich für ein
entschieden hatte, war das Resultat eines längeren Transportunternehmen im Einsatz. Doch irgendwann kam
Prozesses und fusste auf einer seit längerer Zeit schwe- die Gelegenheit, nebst dem Unterrichten die Schulhaus-
lenden Unzufriedenheit. Diese äusserte sich nicht leitung in Sörenberg zu übernehmen. Diese Leitungs-
unbedingt im Job, sondern meine Familie «durfte» funktion gefiel mir ausgezeichnet, so dass ich beschloss,
meine Launen aushalten. die Schulleitungsausbildung in Angriff zu nehmen.
Bereits als kleiner Junge war es ein Traum von mir, Nach Abschluss dieser Ausbildung verliess ich Sören-
Carchauffeur zu werden. Ich malte mir aus, wie toll das berg nach 14 Jahren und nahm eine Stelle als Schul-
wäre, mit diesen grossen Fahrzeugen in Europa unter- leiter in Escholzmatt an.
wegs zu sein und den Gästen die Schönheiten der Land-
schaften zu präsentieren. In meiner Schulzeit legte ich Von wieder erwecktem Fieber zum Moment der Klarheit
anfänglich den Fokus mehr aufs Fussballspielen statt aufs
Lernen. Mit dieser Einstellung reichten die Leistungen In Escholzmatt traf ich auf eine Lehrperson, die in ihrer
nicht, um am Gymnasium zu bestehen. Als es darum Freizeit Reisen organisierte und diese gleich selber mit
ging, ob ich zurück in die Sek gehen wolle oder in ein dem Car durchführte. Da war es wieder, dieses «Chauf-
Internat, entschied ich mich fürs Internat. Dies war eine feurfieber» – und nun liess es mich nie wieder los! Mir
gute Entscheidung, denn ich begann wirklich zu lernen gefielen die Schulleitungsaufgaben sehr, diese waren
und mich für die Schule zu interessieren, was sich aber nicht frei von Belastungen. Zuhause muss ich wohl
positiv auf die Leistungen auswirkte. ziemlich viel vom Fahren gesprochen haben, denn eines
Tages sagte meine Frau Martina zu mir: «Rede nicht
Begeisterter Berufsberater nur davon, sondern machs!»
Im September 2010 mietete unsere Familie ein kleines
Bei der Berufswahl hatte ich das Gefühl, ich könne Häuschen in den Rebbergen des Lavaux. Die erste
meinen Eltern nicht sagen, ich wolle Carchauffeur Woche verbrachte ich dort alleine, um Klarheit zu
werden, da die Kosten fürs Internat das Familienbudget bekommen, wie meine berufliche Zukunft aussehen
stark strapaziert hatten. So landete ich beim Berufs- könnte. Bereits am zweiten Tag machte ich mich auf die
berater. Es folgten Tests und er fragte mich, was ich Velotour um den Genfersee – und ich kann noch heute
mir noch vorstellen könne. Als ich «Lehrer» sagte, sagen, an welcher Stelle der Entscheid gefallen ist.
brach er beinahe in Begeisterungsstürme aus. Also In den verbleibenden Tagen der ersten Woche wälzte
durchlief ich die Seminarausbildung in Hitzkirch und ich diese Entscheidung und je länger ich darüber nach-
am 13.November 1989 trat ich meine erste Stelle dachte, desto überzeugter wurde ich. Gespannt war
als Primarlehrer in Sörenberg an. ich auf die Reaktion meiner Frau. Von ihr hatte ich die
Ich wurde sehr gut aufgenommen, traf auf ein angeneh- volle Unterstützung. Somit waren die Würfel gefallen.
mes Schulumfeld und lebte mich schnell ein. Meine
Energie steckte ich neben der Schule auch ins Vereins- Erst die Kündigung, dann die Suche
leben. Kurz gesagt: Ich hatte eine tolle Zeit. Doch nach
sieben Jahren meldete sich wieder mein alter Berufs- Zurück in Escholzmatt reichte ich meine Kündigung auf
wunsch: Carchauffeur. Zusammen mit einem Nachbarn Ende des Schuljahres ein. Nun galt es, einen neuen Job

