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Dass hingegen in den Romanen und Erzählungen des 20. wenig ausgewirkt. Immerhin prägt diese Thematik Romane wie
Jahrhunderts oft von erzwungenen Aufbrüchen oder eigent- «Die Reise nach Ibicaba» (1988) von Eveline Hasler oder Plinio
lichen Fluchtaktionen die Rede ist, kann nicht erstaunen: Die Martinis «Nicht Anfang und nicht Ende» (2023, italienisch AKTUELLES
beiden Weltkriege, die Ausbreitung von Kommunismus und 1970).
Nationalsozialismus, der Holocaust sowie die «Neuordnung» Natürlich gab es zu allen Zeiten auch Entlebucherinnen
nach 1945 hatten zur Folge, dass unzählige Menschen ihre an- und Entlebucher, die ihre Heimatregion verliessen, oft für im-
gestammte Heimat verlassen mussten. Diese Thematik prägt mer; die grossen Erzählungen zu diesem Thema sind aber noch
beispielsweise «Das siebte Kreuz» von Anna Seghers (1942) (?) nicht geschrieben. Wohl ebenso viel gäbe es schliesslich
oder «Soweit die Füsse tragen» von Josef Martin Bauer (1955) über all diejenigen Menschen zu berichten, die nur schon im LEBENSWEGE
– früher viel gelesene Werke. Verlauf der letzten 50 Jahre – ebenfalls nicht aus freien Stü-
Schliesslich wurden auch die gesellschaftlichen Entwick- cken – ihre Heimat verliessen und schliesslich im Entlebuch
lungen in der Schweiz zeitweise recht stark von Aufbrüchen wohnhaft wurden; auch anhand dieser Geschichten liessen
geprägt, etwa im Zusammenhang mit dem Söldnerwesen. Die- sich zweifellos einige Romane schreiben. Diese – natürlich
ses bildet unter anderem einen wichtigen Hintergrund von sehr lückenhafte – Übersicht zeigt: Unsere Generation ist
Ulrich Bräkers «Lebensgeschichte und natürliche Ebentheuer nicht die erste, welche sich mit Aufbrüchen beschäftigen
des Armen Mannes im Tockenburg» (1789). Auch in Jeremias muss. Und sie wird sicher auch nicht die letzte sein. GESCHICHTLICHES
Gotthelfs «Bauernspiegel» (1834) berichtet der Erzähler über
seine wenig erbaulichen Erlebnisse als Reisläufer in fremden
Kriegsdiensten. Dass anderseits sehr viele Schweizerfamilien Peter Lohri, *1952, Wolhusen
zum Beispiel nach Süd- oder Nordamerika aufbrachen, zumeist ehemals Kantonsschullehrer in Willisau
aus wirtschaftlichen Gründen, hat sich literarisch erstaunlich AKTUELLES
Kriegsende, befreite Deportierte
bei der Schweizer Grenze 1945.
[Bild: © Theo Frey / Fotostiftung
Schweiz]

