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René Egli
Corina Schwingruber Ilić
Kurzfilme sind ihre Leidenschaft
Mit dem Film «All Inclusive» schaffte Corina Schwingruber Ilić zen, fasste die gebürtige Werthensteinerin 2011 im Alter von
2018 den internationalen Durchbruch als Filmemacherin. Die 30 Jahren. Nach dem Lehrerinnenseminar habe sie schnell ge-
ironisch-kritische Dokumentation einer Kreuzfahrt erhielt merkt, dass sie als Primarlehrerin nicht geeignet sei. «Die
nebst zahlreichen weiteren Auszeichnungen den Schweizer krea tiven Kinder waren für mich immer am interessantesten.
Filmpreis und wurde an über 250 Festivals aufgeführt. «Bes- Ich war nicht genügend streng, um die Leistungserwartung
ser kann es nicht laufen», sagt Corina Schwingruber dazu und unserer Volksschule durchsetzen zu können.» So begann sie
relativiert gleichzeitig: «Da war auch eine schöne Portion ein Studium an der Kunsthochschule und unterrichtete zwi-
Glück mit dabei.» schenzeitlich Asylsuchende und Flüchtlinge in Deutsch.
Die Frage, was sie persönlich mit dem Titelthema der dies- Die ihr immer wieder gestellte Frage, wie sie zu den Ideen
jährigen Entlebucher Brattig verbinde, entlockt Corina Schwin- für ihre Projekte komme, ist für sie als Filmschaffende nur schwer
gruber ein Schmunzeln, während sie spontan sagt: «Bei mir ist verständlich. «Man sieht doch überall Geschichten!» Sie selber
alle paar Wochen ‹Aufbruch› angesagt!» Soeben hat sie ihren beobachte eben gerne andere Menschen: Was tun sie? Wie ver-
neuen Film «Been There» fertiggestellt, in dem sie das Reise- halten sie sich? Dabei müsse sie manchmal aufpassen, dass sie
verhalten von uns Menschen hinterfragt. Dabei verzichtet sie nicht voyeuristisch wirke. So konkretisierte sich die Idee eines
gänzlich auf Dialoge, Kommentare und Musik. Das Publikum Films über den Massentourismus vor fünf Jahren in Venedig, wo
soll keine Vorlage bekommen, was es dazu denken soll. «All Inclusive» seine Premiere feierte. «Da hatte man das Pro-
blem ja direkt vor der Nase – und in Luzern erst recht», sagt sie.
Selber reist Corina Schwingruber sehr gerne. Durch die
zahlreichen Filmfestivals auf der ganzen Welt und dem Pen-
deln zwischen den beiden Wohnorten Belgrad und Luzern
kommt sie auch ausgiebig dazu. Wie kann sie es miteinander
vereinbaren, einerseits einen kritischen Blick auf das Reise-
verhalten der Menschen zu werfen und andererseits selber das
ganze Jahr über um den halben Erdball zu fliegen? Sie und ihr
Mann Nikola, der als Kameramann die Aufnahmen gemacht
hat, rechneten bei der Planung ihrer Festivalbesuche jeweils
ein paar zusätzliche Tage für Filmaufnahmen ein. So konnten
sie das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden und ihr
schlechtes Gewissen etwas beruhigen.
Eine Familie in zwei Kulturen
Corina Schwingruber Ilić und ihr
Mann Nikola bei einem Fotoshooting Vor rund vier Jahren kam ihre Tochter Cleo Elisabeth zur
in ihrer zweiten Heimat Belgrad. Welt, knapp zwei Jahre später folgte Marlen Vida. Den Eltern
[Bilder: zVg] ist es wichtig, dass die beiden Mädchen sowohl die serbische
als auch die schweizerische Kultur mit den jeweiligen Vor- und
Geschichten, die das Leben schreibt Nachteilen kennenlernen. Die Familienarbeit teilen sie 50:50
Wie jedes Mal nach dem Abschluss eines Projekts folgt für auf. Die Familiensprache ist schweizerdeutsch. Damit die Kin-
Corina Schwingruber nun der Aufbruch in einen neuen Lebens- der ihre Vatersprache kennenlernen können, spricht Nikola mit
zyklus, eine weitere Standortbestimmung und die Planung, ihnen jedoch von Geburt an serbisch, und in Belgrad besuchen
was als Nächstes kommt. Den Entschluss, voll auf Film zu set- sie die Kita.

