Page 76 - Entlebucher Brattig 2023
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                                                                         sie ihren Wohnsitz im Pfarrhaus behalten. Im Juni 2021
                                                                         war Emil Steinberger Gast in der «Weitsicht» auf Bram­
                                                                         boden. Der Chef dort, Willi Zihlmann, wusste um Bertas
                                                                         Begeisterung für Emil. Spontan begaben sie sich ins
                                                                         Pfarrhaus und Berta führte die beiden dann durch das
                                                                         Dörflein und in die Kirche. Zum Dank gab es am Schluss
                                                                         ein schönes Bild von Emil und Berta.
                                                                         Anfang Februar 2022 machte sich ein gesundheitliches
                                                                         Problem bemerkbar und Berta musste für kurze Zeit ins
                                                                         Spital. Darauf bezog sie ein Zimmer im AWH Entlebuch,
                                                                         wo sie nun gut umsorgt wird. Einmal habe ich ganz scheu
                                                                         gewagt zu fragen, ob sie denn nie ans Heiraten gedacht
                                                                         habe. Sie schaute mich verschmitzt an und lächelte:
                   Teresa Ustariz                                        «Es isch eifach nie de Richtig cho.»
                                                                         Das Portrait von Berta wäre unvollständig, wenn nicht
                   ihnen ihre Werke. Hans war beeindruckt und bat die    auch ihr erster Lebensabschnitt kurz beleuchtet würde.
                   Künstlerin, eine Bilderreihe über das Leben des heiligen   Als achtes Kind der Eltern Josef und Johanna Röösli­
                   Antonius von Padua zu malen. Die farbenprächtigen     Loosli wurde sie am 15. Mai 1935 auf der Liegenschaft
                   Bilder zieren seither die Kassettendecke der Kirche auf   Düelen in der Gemeinde Romoos geboren. Ihre Mutter
                   Bramboden. Teresa war bereits alt und kränklich, als sie   war eine intelligente und arbeitsame Frau. Mit drei Jahren
                   den Wunsch äusserte, einmal nach Bramboden zu kom­    bekam Berta akute Hustenanfälle. Dr. Eschle riet zu einer
                   men. Hans und Berta erfüllten ihr diesen Wunsch gerne.   Luftveränderung. Und so nahm ihre Tante, Karolina Röösli
                   Kurze Zeit danach verstarb Teresa.                    vom Mühlacher im Ebnet, das kleine Mädchen zu sich.
                   Auch mit der Familie von Fatiha blieb Berta im Kontakt   Das zum Leidwesen ihrer älteren Schwester Marie,
                   und freute sich jedes Mal, wenn Besuch aus Algerien   die abrupt ihre kleine Spielkameradin verlor. Berta war
                   kam und sie ihre «Tochter» in die Arme schliessen durfte.   eine wissbegierige und intelligente Schülerin. Nach
                   Mindestens dreimal, sagt sie, sei Fatiha nach Bramboden   der Sekundarschule arbeitete sie zuerst bei der Firma
                   gekommen.                                             Ackermann in Entlebuch. Dann folgte ein Welschland­
                   Nach Pfarrer Wittmers Tod führte Berta mehr als zehn   jahr bei einer streng katholischen Familie in Martigny
                   Jahre allein Regie in und um die Antoniuskirche. Sie war   und schliesslich fand Berta eine Stelle im Haushalt der
                   für alles zuständig und gab Anweisungen an die Priester,   Molkerei Stalder in Luzern. Als ihr Vater krank wurde,
                   welche am Sonntag den Gottesdienst gestalteten. Und   ging sie heim und pflegte ihn bis zu seinem Tod. Später
                   wenn halt mal niemand für die Messgestaltung kommen   arbeitete Berta im Haushalt von Dr. Suppiger in Ruswil
                   konnte, übernahm sie die Rolle des Pfarrers gleich selber   und mit 26 Jahren entschloss sie sich für eine Lehre als
                   und zelebrierte einen Wortgottesdienst. Die Brambödler   Krankenschwester im Kantonsspital Luzern.
                                                                         Als an Weihnachten 1956 ihre Schwester Marie und
                                                                         Hermann Wicki im Drachslis ihre Verlobung feierten, war
                                                                         auch ein gewisser Thalmann Franz, genannt Reineke,
                                                                         eingeladen. Berta schwärmte von den Missionen und
                                                                         sagte, sie möchte einmal für längere Zeit nach Afrika
                                                                         gehen und den armen Leuten dort helfen. Franz staunte
                                                                         über ihren «Gwunder» für ferne Länder. Für ihn käme
                                                                         eine solche Reise nie und nimmer in Frage. Das sei
                                                                         viel zu weit weg vom Egelshorn und überhaupt, in ein
                                                                         Flugzeug würde er nie einsteigen. Kurz entschlossen
                                                                         schenkte er ihr ein «Bätti»(Rosenkranz) und meinte:
                                                                         «Das hüuft.»
                                                                         Tatsächlich, «z’Bätti» hat geholfen. Berta, inzwischen
                                                                         87­jährig, ist mit sich und ihrem Leben im Reinen. Sie
                                                                         bemerkt: «Ich ha es schöns Läbe gha.»


                                                                         Ruedi Lustenberger, *1950, Romoos, Schreinermeister
                   Berta mit Emil Steinberger                            ehemals Kantonsrat, Nationalrat, Nationalratspräsident
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