Page 75 - Entlebucher Brattig 2023
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«I ha es schöns Läbe gha»
Ruedi Lustenberger
Wir begrüssen uns vor dem Alterswohnheim Entlebuch.
Hier wohnt Berta Röösli seit einem Monat. Das Wetter ist
an diesem Märzentag angenehm warm und schön, nur
der Saharastaub trübt etwas die Sicht in die Ferne. Ich
zeige zum Himmel und bemerke: «Du bekommst heute
wieder einmal einen Gruss aus deiner zweiten Heimat.»
Sie begreift sofort und erwidert: «Ja, das si zwöi vo de
schönschte Jahr gsi i mim Läbe, dunde z’Algerie.»
Drinnen in der Cafeteria kommt Berta, die kleine quirlige
Frau, dann ins Schwärmen und erzählt von ihrem Algerien
Aufenthalt zwischen 1966 und 1968. Dabei leuchten ihre
kleinen Augen wie die Venus am Firmament. Es war kurz
nach dem Unabhängigkeitskampf, der junge Staat nahm
das Engagement des katholischen Hilfswerks gerne an und
so verreiste Berta als Krankenschwester nach Algerien.
Dort leistete sie einen sozialen Einsatz zugunsten der
armen Bevölkerung und lernte bald eine Familie kennen,
die acht Kinder hatte. Die Frau sei eine gute und begabte
Mutter gewesen, aber es hätte halt an allem gemangelt.
Deshalb wurde die Familie vom Hilfswerk unterstützt.
Wenn Berta am Donnerstag ihren freien Tag hatte, ging Fatiha [Bilder: zVg]
sie am Nachmittag viel an den Strand. Begleitet wurde
sie meistens von Fatiha, dem kleinen Mädchen der
Familie. Und so war Berta schon bald wie eine zweite und Leuten auf Bramboden auf Anhieb. Mit seinem
Mutter für das aufgeweckte Mädchen. bescheidenen Auftreten gewann er die Herzen der Bram
Wenn sie zwei, drei Tage frei hatte, zog es sie gegen bödler rasch. Und so blieb er dort Pfarrer bis zu seinem
Süden, in die Wüste. «Das isch z’Schönschte gsi i mim Tod am 27. Dezember 2010.
Läbe, die Wiiti und die Stüui z’gniesse i de Wüeschti.» Pfarrer Wittmer hatte ein grosses weltweites Netzwerk
Sie vergleicht sie mit einer grossen, frisch verschneiten innerhalb der Kirche. So fanden Besucher aus der weiten
Winterlandschaft. Welt im Pfarrhaus Bramboden immer eine offene Türe
Zurück in der Schweiz, nahm Berta eine Stelle als Pfarr und verweilten gerne ein paar Tage im Berg dörflein.
köchin und Katechetin an bei Pfarrer Hans Wittmer in Berta umsorgte sie mit Speis und Trank und erklärte
Kaiseraugst und später dann in Wölflinswil AG. Dieser ihnen das Napfbergland. Umgekehrt waren Pfarrer Hans
Job war ihr wie auf den Leib geschnitten. Sie sorgte sich und Berta viel gereist und hatten Klöster fast auf der
um den Pfarrer und führte Regie im Pfarrhaus und ab ganzen Welt besucht. Beinahe jedes Jahr stand auch
und zu auch in der Kirche. Die beiden verstanden sich eine Reise nach Spanien auf dem Programm. Da fühlte
ausgezeichnet und hatten eine perfekte Rollenteilung, sich Berta in ihrem Element und steuerte das Auto sicher
ohne es je genau abgesprochen zu haben. So blieb Berta vom Bramboden über Frankreich und die Pyrenäen nach
bei ihrem Pfarrer und brachte ihn 1994 nach Bramboden, Kastilien. Dort lernten sie eine Ordensfrau namens Teresa
in ihre Heimat. Pfarrer Wittmer verstand sich mit Land Ustariz kennen. Sie war Kunstmalerin und präsentierte

