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NATUR
Roger Süess betreibt in der ehema- Den alten Milchkessel gibt es zwar nicht
ligen Käserei Schintmoos nun einen mehr, dafür aber einen Wasserkessel
Sanitärbetrieb. zum Baden.
Mundart
Die ehemalige Käserei in Flühli
Ich gebe zu, es gibt noch Orte, an denen ich etwas nach Ebenso Köstlichkeiten der Familie. Dabei stört es kaum, dass LOKALES
Käse rieche, aber ja, schliesslich bin ich 1911 von der Käserei- die Spuren der alten Käserei zu sehen sind. Auch der Geruch ist
genossenschaft erbaut worden. Nicht zum Zweck der Parfüm- fast weg, aber ich kann auch nicht wie ein Mensch einfach die
herstellung, sondern damit die angelieferte Milch zu Käse ver- Kleidung wechseln. Der Tipp, ein wenig Wacholder in meinen
arbeitet werden konnte. Im Keller reiften grosse Käselaibe zu Mauern zu verbrennen, kam beim Herrn des Hauses nicht so
leckeren gelben Genussstücken heran. Diese Emmentaler und richtig an. Am Ende verbrannte er einen Christbaum in einer
Sbrinz aus Flühli würden heute als regionaler Genuss unter dem Feuerschale mitten im Raum. Der Rauch war dicht und es hat
Label Echt Entlebuch verkauft werden. Am Anfang wurde in mir tatsächlich etwas geholfen. Der Rest wird irgendwann ver-
täglich gearbeitet, aber später diente ich nur noch als Annah- schwinden. Der Duft von 80 Jahren Käseherstellung kann nur
mestelle für Milch, bevor gar nichts mehr passierte. Drei Jahre von 80 Jahren ohne Käse vertrieben werden. Mit viel Liebe zum
stand ich an der Strasse und schaute den Autos, Radfahrern Detail wird der fehlende Garten auf der Terrasse kompensiert.
und Fussgängern hinterher, in der Hoffnung, es käme jemand Was nicht als Stauraum und Lager fungiert, wird mit Dekora-
zu mir herein. Es nagt ganz schön am Mauerwerk, wenn sich tion und geschickt gewählten Accessoires zum Wohnraum um-
niemand für dich interessiert. Als ich die Hoffnung aufgegeben gestaltet. In meinem alten Lift werden keine Käselaibe, dafür
hatte, kam sie – Familie Süss. Während ich davon träumte, in Sanitärbedarf in den Keller befördert und besonders schön
mir wieder geschäftiges Treiben und Arbeiten zu spüren, finde ich, es gibt wieder einen Tank. Natürlich keinen Milchtank,
träumte die Familie von Sicherheit für sich und das Geschäft. aber einen sogenannten Hot-Tub. In meinen Mauern ist der Auf-
Sie brachen auf, zogen privat innerhalb Flühli umher, ehe sie bruch vorbei, jetzt spüre ich die Ankunft.
ihr Sanitärgeschäft aus Schüpfheim in meinen Räumlichkeiten
einrichteten. Die Wohnung in meinem Obergeschoss ersetzte
kein Haus und einen Garten konnte ich auch nicht bieten. Dafür Martina Jud, *1968, Sörenberg
solide Wände, Stauraum und einen rechtschaffenen Unterneh- freischaffende Kolumnistin
mensstandort. Anstatt Käse lagert in mir nun Sanitärbedarf.

