Page 50 - Entlebucher Brattig 2019
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Silva-, Mondo- und Bea-Punkte
Etwas früher als die Bea-Punkte gab es die Silva-Punkte,
gegründet und herausgegeben 1944 vom genossen-
schaftlich organisierten Silva-Verlag. Dessen Genossen-
schafter waren bekannte Schweizer Firmen, allen voran
Lindt & Sprüngli. Ihr Ziel war «in Verbindung mit dem
Verkauf der von ihnen produzierten Waren künstlerisch
und erzieherisch wertvolle Bilderwerke herauszugeben
1
und zu propagieren.» In die schwarz-weiss gedruckten
Silva-Bücher konnte man farbige Bilder einkleben, die
jedoch mit diesen Silva-Punkten erst «ersammelt» und
beim Silva-Verlag eingesandt werden mussten. In dieser
Kriegs- und Nachkriegszeit, in der es kaum etwas gab,
trösteten die bunten Bilder und Punkte die Konsumenten
vermutlich über den Verlust anderer Konsumgüter
hinweg und banden sie unbemerkt an die dem System
angeschlossenen Produkte. In den 90er-Jahren wurde
der Silva-Verlag liquidiert und der Bea-Verlag übernahm
das Rabatt-System.
Ein ähnliches Punktesystem verfolgten die Mondo-
Punkte, die ebenfalls zum Ausschneiden auf diversen
Konsumgütern aufgedruckt waren. Wie die Neue Zürcher
Zeitung im Juni 2012 meldete , sei der dem Nestle-
2
Konzern gehörende Mondo-Verlag an den grösseren
Sammelprämien-Verlag Bea verkauft worden. Seit
1968 gab es diese Mondo-Punkte, mit denen zunächst
Bücher, später auch Spiele, Bastelartikel und Reise-
zubehör bestellt werden konnten.
Als einziges Sammelpunkt-System gibt es noch immer
die Bea-Punkte, die nach wie vor fleissig ausgeschnitten
und nach Brugg – dort sitzt die Bea- und Poly-Verlags AG –
geschickt werden, um eine Prämie aus dem grossen
Angebot zu beziehen. Ob es dem Bea-Verlag allerdings
gelingt, den Sprung ins digitale Zeitalter zu schaffen,
bleibt abzuwarten.
«Heit dr mini Chundedate?»
Die Punktesammler, egal welcher Art die Punkte auch
sind, zeigen bestimmt durch das Sammeln ihre Spar- Ein Heidi-Buch aus dem Jahr 1944,
samkeit und vertreten damit ihren Standpunkt des Preis- in dem alle Sammelbilder ein-
bewusstseins – denn jeder Punkt ist bares Geld wert. geklebt worden sind.
[Bilder: Claudia Hoch-Rieger]
Die Kehrseite der Medaille ist sicher der Aspekt des
gläsernen Kunden – ganz nach dem Motto «Hei dr mini
Chundedate?» Doch das Pro und Contra abzuwägen,
bleibt jedem Kunden selbst überlassen. 1 https://de.wikipedia.org/wiki/Silva-Verlag
2 https://www.nzz.ch/nestle-verkauft-verlag-der-mondo-punkte-
Claudia Hoch-Rieger, Mitglied der Brattigkommission 1.17282922

