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Umfeld entwickelte sich nach und nach. Die Kinder sind in die
Gesellschaft hineingewachsen. Die Kanadier sind äusserst
höflich und hilfsbereit. Das Einleben war daher relativ leicht,
sind doch die meisten hier Einwanderer der ersten, zweiten
oder dritten Generation. Die Beziehungen wuchsen auch mit
der zunehmenden Handelstätigkeit, der wachsenden Anzahl
von Angestellten, Lieferanten und Abnehmern.
In Ontario gibt es verschiedene aktive Schweizer Vereine.
Da werden gute Freundschaften und die kulturellen Gepflo-
genheiten der Schweiz bei Zusammenkünften gelebt. Die Fel-
ders haben sich auch ein paar typischer kanadischer Frei-
zeitaktivitäten angenommen: Golf, Eishockey (vor allem die
jüngere Generation), verschiedene Wassersportarten, wegen
der offensichtlichen Nähe zu den Seen, Campieren oder Cotta-
ging. Grundsätzlich liebt man den Aufenthalt im Freien. Die
Fauna und Flora sind üppig, dominant und schützenswert. Die
Drei Generationen: Rita und Anton Felders sind der Meinung, dass dieses Erbe für Generationen
Felder (rechts) mit ihrer Familie. erhalten werden sollte.
Erbsen und so weiter zu. Kanada exportiert zirka 50 Prozent Selbstständigkeit
der Agrarproduktion. Die Familie Felder war an einer nachhal- Dank der Selbstständigkeit konnte vieles mit äusserst
tigen Bioproduktion interssiert. Die Märkte für Bio-Rohwaren kurzen Entscheidungswegen vorangetrieben werden. Mit ih-
waren bei ihrer Ankunft in Kanada noch nicht entwickelt. Mit ren Unternehmen hat Familie Felder schon früh in alternative
den aus Europa mitgebrachten Beziehungen konnten nach und Energien und regenerative Landwirtschaftspraxis investiert.
nach Absatzkanäle weltweit erschlossen werden. Daraus ent- Diese Entwicklung stoppt nicht, im Gegenteil, sie beschleu-
stand nach ein paar Jahren das Bio-Handelsgeschäft. nigt sich. Die künftigen Traktoren werden elektrisch betrieben
Mittlerweile hat die Firma mit Bio-Projekten in Indien, und unbemannt sein. Die Bodenbearbeitung im Ackerbau wird
Argentinien, Afrika, der Ukraine und den USA expandiert. stark reduziert. Statt mechanischer Unkrautbekämpfung wer-
den solargetriebene Roboter unermüdlich «jäten». Auch im
Aufbruch konventionellen Ackerbau kann mit dem Einsatz bereits vor-
Der Umzug sei ein grosser Schritt gewesen. Familie Felder handener Technologien künftig der Einsatz von Agrochemika-
hatte es sich zum Ziel gesetzt, aktiv und nachhaltig Landwirt- lien stark reduziert werden. In den entwickelten Ländern wer-
schaft zu betreiben. Sie wollte am Ende des Lebens die wirkli- den jährlich Milliarden Tonnen von Agrochemikalien versprüht.
chen Fehler bedauern und nicht die Herausforderungen und Viele davon sind im Wasser, der Luft und in den Lebensmitteln
Chancen, die sie ausgelassen hat. wiederzufinden. Die Kombinationen der Rückstände und deren
Es folgte der Umzug, die Einschulung der Kinder, das Er- Wirkung der verschiedenen Fungizide, Herbizide et cetera
lernen einer anderen Sprache und Kultur. «Vieles ist gleich und deren langfristiger Wirkung sind zu wenig bekannt und
und doch ein bisschen anders», zum Beispiel muss man sehr können, wie man zwischenzeitlich weiss, zu Krankheiten in
schnell in der Lage sein, mit verschiedenen Masseinheiten um- Fauna und Flora und dem Menschen führen. Die Produktion
gehen zu können. Kanada hat zwar offiziell das metrische Sys- von Lebens- und Futtermitteln wird interessant bleiben und
tem eingeführt, doch wird im Alltag und vor allem im Agrar- die Farmer auch künftig laufend vor neue Herausforderungen
bereich nach wie vor das imperiale System (Pfund, Bushel, stellen. Die Felders sind dankbar, ein kleines Mosaiksteinchen
Inch, Fuss, Galone, Meile etc.) angewandt. in der ganzen Nahrungsmittelkette sein zu dürfen.
25 Jahre später hat sich die Familie gut eingelebt. Tochter
Sarah ist verheiratet, hat selber Kinder und arbeitet mittler- Die Möglichkeiten, die Kanada als Agrarland bietet, ge-
weile als Ärztin in einem Spital in London, Ontario. Der zweit- paart mit den mitgenommenen «Entlebucher Werten», ha-
älteste Sohn, David, ist mit seiner Familie auf die Farm gezo- ben den Schritt in die Selbstständigkeit durchaus bezahlt
gen und arbeitet im Familienunternehmen. Cornel, der Jüngste, gemacht.
ist Assistenzarzt in Toronto.
Herausforderungen Rita Felder-Kaufmann,
Mit den Chancen kamen unweigerlich auch einige Heraus- Escholzmatt / Petrolia, Kanada
forderungen. Die Maxime «was uns nicht umbringt, macht uns CEO Field Farms Marketing Ltd
stärker» hat sich mehrmals bewahrheitet. Ein neues soziales

