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Von Aristoteles zu Alice
Betrachtungen über den «Gwunder»
Lukas Studer
«Wer aus seinem Wundern
kein Suchen macht,
der wird aus dem Staunen
nicht herauskommen.»
Mussten Sie sich als Kind einmal anhören, Sie seien seine Aufmerksamkeit immer grösseren Dingen zu,
eine «Gwundernase», wenn Sie Ihren Eltern wieder mal zum Beispiel den Sternen und Planeten. So gelangt
eine Frage zu viel gestellt hatten? Oder, an die Eltern man weiter zu den grundsätzlichen Fragen, wie der
unter Ihnen – haben Sie der Fragerei Ihrer Kinder (sagen Frage nach der Entstehung der Welt.
wir, auf die Frage, was es zu Mittag gibt) schon mal mit
der Antwort «Gwundernase und Schmöckbrötli» ein Aristoteles setzt das Wundern gleich mit dem «Nicht
Ende gemacht? Verstehen». Hier scheinen mir zwei Arten von Dingen
und Geschehnissen zentral zu sein: Was «Gwunder»
Das Wort «Gwundernase» ist eines dieser schönen weckt, ist entweder das Neue, Unbekannte – oder etwas,
schweizerdeutschen Wörter – der Duden findet keine das unsere Vorstellungskraft übertrifft. Dass Aristoteles
«Wundernase» – das einiges beinhaltet. Dass wir hier das Beispiel des Sternenhimmels gewählt hat, passt
die Nase finden, verwundert nicht: Sie taucht auch sonst in dieser Hinsicht wunderbar. Die Unendlichkeit können
auf, wo es um den «Gwunder» geht. Wenn man zu viel wir uns nicht vorstellen, aber wo kämen wir näher an
wissen will, steckt man sie in Dinge, die einen nichts sie heran, als wenn wir unseren Blick im weiten Sternen
angehen. Und Leute, die etwas herausfinden, haben himmel verlieren?
den «richtigen Riecher» bewiesen. Lassen wir das
Riechorgan also beiseite, und widmen wir uns dafür Beim Unvorstellbaren kommt nun auch das «Wunder»
dem «Gwunder». ins Spiel, das wir im «Gwunder» natürlich auch finden.
Wunder sind die Ereignisse, die über unsere Vorstellungs
«Gwunder» als Staunen und Fragen kraft hinausgehen. Wie und über was wir uns wundern,
hängt daher immer auch mit unserer Vorstellungskraft
Der griechische Philosoph Aristoteles bezeichnete zusammen. So sagen Leute, die sich einiges auf ihre
das Wundern – oder, in anderen Übersetzungen, das Erfahrung einbilden, schon mal: «Mich wundert gar
«Staunen» – als Ursprung des Philosophierens und nichts mehr.» (Es sei hier dahingestellt, ob das tatsäch
der Wissenschaft. Bei Aristoteles beginnt das Staunen lich immer positiv zu werten ist.)
bei einzelnen Dingen, die man sich zunächst nicht erklä
ren kann – man könnte hier an das Staunen über einen Die Vorstellungskraft sollte durch das Wunderbare aber
Regenbogen denken, wenn man einen solchen zum nicht überfordert, sondern im besten Fall herausgefor
ersten Mal sieht. Danach, so Aristoteles, richtet man dert werden. Bei Aristoteles wird aus dem Staunen denn

