Page 118 - Entlebucher Brattig 2019
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               Die vier jungen Frauen Leandra und
               Rebecca Küng sowie Angela und
               Ramona Wobmann können sich ein
               Leben ohne ihren jeweils anderen
               Zwilling nicht vorstellen (von links).


               gemeinsam Sport, haben denselben Freundeskreis. Den   «Wenn man als 17-Jährige eine 14-jährige Schwester
               Mädchen fällt spontan nichts ein, was die eine mag und  hat, denkt man, dass die total jung ist.» Dieses Problem
               die andere nicht. Das Leben als Zwilling hat aber auch  hatten die vier Zwillings-Frauen nicht und wurden des-
               Nachteile. «In der Schule und in der Ausbildung wird  halb auch von manchen Freundinnen beneidet. «Wir
               man oft verglichen, gerade, wenn man gemeinsame       haben schon manchmal gehört, dass sich andere auch
               Kurse hat. Das ist blöd», sagt Leandra. Und als Indivi-  wünschten, einen Zwilling zu haben», erzählt Ramona.
               duen würden sie oft auch nicht gesehen. «Vor allem in  Zurecht, findet Leandra: «Andere können schon neidisch
               der Grundschule waren wir nicht Leandra und Rebecca,  sein. Es ist super, Zwilling zu sein. Wir können uns
               oder Angela und Ramona – sondern immer nur die        alles erzählen und haben eine spezielle Verbindung
               Zwillinge.»                                           zueinander.» Ein Leben ohne den jeweiligen Zwilling,
               Während sie äusserlich fast nicht zu unterscheiden sind,  da sind sich alle vier einig, können sie sich einfach
               haben die Zwillinge, je älter sie wurden, ganz unter-  nicht vorstellen.
               schiedliche Charaktereigenschaften und Interessen ent-
               wickelt. Angela war schon immer die zielstrebigere und  Elisabeth Wyss-Zaugg und Andreas Zaugg,
               ehrgeizigere der beiden. Sie redet viel und ist lockerer,  Jahrgang 1940
               Ramona wirkt im ersten Moment ruhiger und nachdenk-
               licher. Auch ihre Freizeit verbringen die Zwillinge mittler-  Elisabeth und Andreas nehmen schon viele Jahre an
               weile nicht immer zusammen, denn sie wohnen nicht     den Zwillingstreffen teil. «Solche gemeinsamen Unter-
               am selben Ort. Was beide schon immer gemeinsam        nehmungen machen uns viel Spass und wir geniessen
               hatten, ist der Spass am Sport. «Allerdings gehe ich zum  die gemeinsame Zeit!», schwärmt Elisabeth. Die beiden
               Korbball, Angela hat angefangen Unihockey zu spielen»,  sind in einer grossen Familie aufgewachsen, unter ihren
               erzählt Ramona. Die Liste der Unterschiede zwischen   vielen Geschwistern seien die zweieiigen Zwillinge nicht
               den Zwillingen ist noch länger. «Wir haben einfach oft  sonderlich aufgefallen. Auf die Frage, ob es denn für ihn
               unterschiedliche Meinungen, verschiedene Wünsche      speziell sei, eine Zwillingsschwester zu haben, schmun-
               und einen anderen Geschmack», fasst Angela zusammen.  zelt Andreas. «Früher wurde dem bei uns nicht so viel
               «Nur weil wir Zwillinge sind, heisst das ja nicht, dass wir  Aufmerksamkeit beigemessen. Wir sehen uns auch nicht
               keine eigenständigen Menschen mehr sind.» Schön ist,  besonders ähnlich und charakterlich unterscheiden wir
               «dass man gleichzeitig erwachsen wird», finden alle vier.  uns auch!» Elisabeth stimmt ihm zu – fügt aber an, dass
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