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           Anita Schöpfer

           Obstbaumpflege


           mit dem



           Mondkalender









           «Ja, doch, vereinzelt gibt es schon Landwirte und Bäuerinnen,   Ein Landwirt wünschte, einen seiner sehr alten Obstbäume zu
           die von mir wünschen, dass ich ihre Obstbäume an den güns-  vermehren, damit die uralte (unbekannte) Sorte erhalten blei-
           tigen Mondtagen schneide. Klar mache ich das, wenn es zeitlich   ben könne. Die infrage kommenden Reiser schienen André
           passt. Ich habe auch schon andere erstaunliche Mond kalender-  Zemp aber derart schwach, dass es nach Zeitverschwendung
           Experimente gemacht!», sagt André Zemp, leidenschaftlicher   aussah, diese noch auf eine jüngere Unterlage aufzweien zu
           Gärtner aus Escholzmatt.                               wollen. Wenn schon einen Versuch starten, dann kam nur noch
               Er erzählt von seinen Erfahrungen. Angefangen habe es   ein Termin an den optimalen Mondtagen infrage - und tatsäch-
           wohl mit einem ärgerlichen Erlebnis vor etwa 16 Jahren, als   lich gediehen ein Jahr später fast alle Reiser erstaunlich gut!
                    1
           das Zweien  und Vermehren einer einzigen alten Apfelsorte   Dem Gärtner gelangen dann auch weitere Versuche, wo trotz
           einfach nicht gelingen wollte. Alle anderen Sorten gediehen   schwieriger Bedingungen das Aufzweien erfolgreich war. Zu-
           gut, aber diese eine hatte auch nach mehreren Versuchen   dem scheinen jene Hochstammbäume, bei denen nur noch an
           (über mehrere Jahre) keinen Erfolg gezeigt. Aufgeben ist   den idealen Mondtagen ein Rückschnitt erfolgt, ausgegliche-
           grundsätzlich keine Option für den Gärtner. Also hatte er die   ner im Wachstum und machen beispielsweise weniger über-
           Idee, es halt mal mit dem Mondkalender zu versuchen. Iden-  flüssige Ruten.
           tische Unterlagen sowie mehrere Reiser vom selben Baum, alle   Das grösste Potenzial für den Einsatz des Mondkalenders
           am selben Standort mit denselben Umweltbedingungen, wur-  bei der Pflege von Obstbäumen sieht der Gärtner im Zweien,
           den während eines Zeitraums von drei Wochen veredelt: vor,   Umzweien und Vermehren von Obstsorten. Hier sei der Erfolg
           während und nach der optimalen Mond-Konstellation. Alles   deutlich und unmissverständlich sichtbar, zudem werde damit
           säuberlich dokumentiert. Das Ergebnis war beachtenswert:   auch ein interessanter Beitrag zur Biodiversität geleistet, da
           Endlich gelang es, diese Sorte doch noch zu vermehren, und   zum Beispiel eine alte oder unbekannte Sorte auf einen jungen
           nur jene Reiser aus den passenden Mondtagen überlebten.   Baum aufgezweit und somit erhalten werden kann.
               Da musste also vielleicht doch was dran sein! Aber wer
           hat schon die Zeit und Musse, sich während der aktiven Fami-
           lien- und Erwerbsjahre tiefergehend und umfassend mit sowas   Anita Schöpfer, *1974, Escholzmatt
           auseinanderzusetzen?                                       Bäuerin
               Es brauchte Jahre später ein weiteres frustrierendes Er-
           eignis, um dem Mondkalender nochmals Beachtung zu schen-
           ken. André Zemp wurde es nämlich zu bunt, als immer wieder
           ganze Sätze von Aussaaten für Setzlinge zum Teil sehr schlecht
           gediehen. Wie sollte er so zuverlässig für die Kundschaft zur
           gewünschten Zeit die benötigte Anzahl der beliebten einhei-
           misch gezogenen Setzlinge zur Verfügung haben?
               Also säte er im darauffolgenden Frühling nur noch an den
           laut Mondkalender optimalen Aussaattagen aus. Das Ergebnis:
                                                                 1 Das Zweien, auch Veredeln genannt, von Obstbäumen ist eine Methode, um
           Noch nie in all den Jahren zuvor war der Erfolg derart zufrie-  sie vegetativ und sortenrein zu vermehren. Dazu kann man einen jungen Baum
           denstellend, sogar Saatgut vom vorletzten Jahr, welches im   pflanzen und später darauf eine alte Sorte zweien. Das Zweien erfordert viel
           letzten Jahr schlecht auflief, gedieh nun an den «richtigen»   Geschick und Fachwissen, und es ist wichtig, dass die Affinität (Verwandt-
           Aussaattagen einwandfrei.                             schaft) zwischen Edelreisern und Unterlage stimmt. Bäume können bis ins
               Doch zurück zu den Obstbäumen: Vor wenigen Jahren gab   hohe Alter gezweit werden. Es besteht die Möglichkeit, auf guten, vitalen
                                                                 Bäumen eine oder mehrere andere Sorten zu zweien (siehe www.baumpflege-
           es wieder eine Gelegenheit, den Mond «mitmachen zu lassen»:   dietrich.ch).
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