Page 106 - Entlebucher Brattig 2019
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               «Da gwönsch di dra»

               Einer der Hauptdarsteller ist Franz Röösli oder, wie er
               sich selber nennt, «de Fränz». Er ist einer der rund zehn
               Entlebucher, die heute noch aktiv köhlern. So kam es,
               dass ihm der Filmregisseur Robert Müller einen Besuch
               auf seinem Hof in Bramboden abstattete. Müller infor-
               mierte ihn über sein Vorhaben, einen Dokumentarfilm
               über die Köhlerei zu drehen. Röösli war von dieser Idee
               nicht abgeneigt, wollte sich das Ganze aber in Ruhe
               durch den Kopf gehen lassen und eine Nacht darüber
               schlafen. Als Müller nach ein paar Tagen wieder auf
               seinem Bauernhof auftauchte, bestätigte er ihm sein
               Mitwirken und der Grundstein für den Film «Köhler-
               nächte» war gelegt. Über vier Jahre dauerten die Dreh-  Der Jungköhler Lukas Thalmann
               arbeiten. Am Anfang war es gewiss noch etwas unge-    steht auf seinem ersten eigenen
                                                                     Kohlenmeiler.
               wohnt, von einem Kameramann, einem Tontechniker
               und einem Regisseur begleitet zu werden. «Aber da
               gwönsch di dra», erklärt Röösli gelassen und bemerkt
               zugleich die wichtigste Regel, dass man nie direkt in die
               Kamera blicken durfte. Dazu betont er, dass alle Auf-
               nahmen echt und realitätsgetreu seien. Er habe sich
               nie vor der Kamera verstellt und sei immer er selbst
               geblieben. Dabei gibt es auch sehr emotionale Film-
               stellen zu sehen – beispielsweise, wenn sich das Wetter
               über mehrere Tage von der miserablen Seite zeigte und
               in der Nacht deftige Fluche durch die Dunkelheit hallten.
               Viele Male besuchte das Kamerateam die einzelnen
               Protagonisten und sammelte für den 90-minütigen Film
               über 300 Stunden Material. «Wenn sie einen solchen
               Film drehen wollen, ist für sie halt nur das Beste gut
               genug», sagt Röösli, der damit die genaue und akri-
               bische Arbeit des Kamerateams anspricht. Wenn dieser  Das Endergebnis lässt sich sehen:
               eine besondere Tätigkeit oder einen speziellen Moment  Die fertige Kohle kann nach getaner
               nicht so filmen konnte wie gewünscht, dauerte es halt,  Arbeit abgepackt werden. Die
                                                                     Hände sind gezeichnet von der
               bis sich dieser Vorgang wiederholte. Schliesslich habe er  schweren Arbeit.
               nur so viele Löcher in den Meiler stechen können, wie
               es schlussendlich auch brauchte und nicht so viele, wie
               der Kameramann wünschte. Die Zusammenarbeit mit
               dem Kamerateam habe aber problemlos funktioniert.
               Die Filmcrew habe sich stets im Hintergrund gehalten
               und ihn bei der Arbeit nie gestört. Trotzdem war es
               wichtig, eine gewisse Flexibilität an den Tag zu legen.
               Wenn das Kamerateam an einem gewissen Tag keine
               Möglichkeit hatte, den Dreh durchzuführen, sei halt die
               geplante Arbeit um einen Tag verschoben worden,
               bemerkt Röösli. Den Film habe er etwa schon 15-mal
               gesehen und jedes Mal falle ihm wieder ein neues
               Detail ins Auge.
               Franz Röösli wurde das Köhlern quasi in die Wiege
               gelegt, denn schon sein Urgrossvater übte dieses Hand-
               werk aus. Besonders stolz erklärt er, dass seine Vor-
               fahren auch während der Kriegszeiten stets geköhlert  Franz Röösli kniet vor dem Kohlen-
                                                                     meiler, während der andauernde
               und somit die Schweizer Maschinenindustrie im         Regen auf ihn niederprasselt.
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